Status: Nicht angemeldet

Themenspecial

Themenspecial "Ayurveda-Wellness"

17.05.2015 | Der Zusammenhang zwischen Ayurveda und Wellness wird immer wieder kontrovers diskutiert.Im Kontext der boomenden Wellness-Bewegung wird Ayurveda von den Medien immer wieder als Wellness-Angebot propagiert. Das hat Ayurveda in den letzten Jahren sehr populär gemacht, allerdings gibt es auch kritische Stimmen, vor allem unter den Ayurveda-Traditionalisten, die den medizinischen Aspekt dieser Wissenschaft betonen und von „Verwässerung“ sprechen. Dazwischen gibt es die unterschiedlichsten Einstufungen und Bewertungen.

 

ayurveda-portal.de hat nachgefragt und die Sichtweisen von verschiedenen Ayurveda-Spezialisten zusammengetragen.

Ayurveda und Wellness – Sichtweisen

Zu der Frage, welchen Zusammenhang man zwischen Ayurveda und Wellness sieht, finden Sie im Folgenden einige grundsätzliche Aussagen.

Brigitta Künzli, ayurQuell betont, dass Ayurveda viel mehr ist, als Wellness: „Das „richtige“ Ayurveda ist nicht Wellness, sondern eines der ältesten, wenn nicht DAS älteste Medizinsystem überhaupt.“

Dr. E.P. Jeevan B.A.M.S., ayurveda-care differenziert: „Ayurveda umfasst als Medizinsystem sowohl präventive (satvrutta) als auch therapeutische (chikitsa) Aspekte, von denen die präventiven als Wellness bezeichnet werden könnten.“

Und Kerstin Rosenberg, Europäische Akademie für Ayurveda/Mahindra ergänzt: „Die Gesundheit des Gesunden zu erhalten, war schon immer ein großes Anliegen der traditionellen Ayurveda-Heilkunde. Diese Massnahmen werden heute Wellness genannt.“

Auf die Bedeutung von Kompetenz und Seriösität in der Verbindung von Ayurveda und Wellness verweisen Anja und Ekram Chakrabarty, Anjuli Ayurveda: „Auf der Basis einer guten Fachkompetenz gibt es durchaus ayurvedische Anwendungen und Empfehlungen, die in den Wellness-Bereich integriert werden können.“

Und Sigrid Nadolny, ehemals Nadoly’s Wellness-Hotel: “Ayurveda ist das älteste "Wellness und Gesundheits-System " der Menschheit, bei beiden geht es um Gleichgewicht und um Prävention. Von daher ergänzen sich beide, wenn sie seriös angeboten werden, was leider nicht immer der Fall ist.“

Wellness – Modewort in aller Munde

An dieser Stelle macht es Sinn, den Begriff „Wellness“ näher zu betrachten. Welche Bedeutung steckt eigentlich hinter diesem Begriff, der mittlerweile inflationär durch Medien und Werbebotschaften geistert:
1959 wurde das Wort „Wellness“ von dem US-amerikanischen Arzt H.L.Dunn entwickelt. Es setzt sich zusammen aus den Begriffen „well being“ und „fitness“.
In den 70er Jahren wurde das Thema erneut aufgegriffen und weiterentwickelt von dem Arzt Donald B. Ardell. Es ging ihm um eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen in Abhängigkeit von seiner Umwelt. Im Auftrag der amerikanischen Regierung entwickelt er zusammen mit einem anderen Arzt ganzheitliche Gesundheitsmodelle in Zeiten explodierenden Kosten im Gesundheitswesen. Ein Thema, was uns in der heutigen Zeit ja nicht unbekannt ist.

Die Ganzheitlichkeit, auf die sich der Wellness-Gedanke bezieht, findet sich bereits bei Hippokrates (ca. 400 v. Chr. /Hoch-Zeit des Ayurveda), Hildegard von Bingen (12. Jhd.), Sebastian Kneipp und Samuel Hahnemann. Das Prinzip ist also nicht neu. Interessanterweise gibt es auch die Vermutung, dass Hippokrates zu Lebzeiten Kontakt mit ayurvedischen Vaidyas hatte.

Der Begriff „Wellness“ ist nicht geschützt und deshalb gibt es unterschiedliche Definitionen und Auslegungen.
Der Deutsche Wellness-Verband definiert „Wellness“ folgendermaßen: „Ein Prozess ganzheitlichen Wohlbefindens im Kontext (wissenschaftlich gesicherter) gesundheitsfördernder Faktoren. Laienverständlich ausgedrückt: Genussvoll gesund leben.“ Weiter wird ausgeführt: „Die Zielsetzung besteht darin, die als allgemein gesundheitsfördernd erwiesenen Verhaltensweisen und Einstellungen - ggf. mit Unterstützung von professionellen Trainern, Beratern, Therapeuten - so in das individuelle Lebensgefüge zu integrieren, dass spürbar aktuelles und langfristiges Wohlbefinden resultieren, dies nach Möglichkeit in einem ausgeglichenen Verhältnis der verschiedenen Wohlbefindens-Dimensionen (Bewegung, Ernährung, An-/Entspannung, Spiritualität, etc.).“ (Quelle: http://www.wellnessverband.de/infodienste/lexikon/w/wellness.php)

Diese wohl ursprünglich gemeinte Definition von Wellness hat sich im großen Ganzen nicht in den Köpfen durchgesetzt. „Ich lasse es mir einfach mal gut gehen“ ist eher der Tenor, was an sich nichts Schlechtes bedeutet, allerdings ein sehr passives Verhalten kennzeichnet und den Aspekt der langfristigen, ganzheitlichen Lebensführung außer Acht lässt.

Wellness – Segen oder Fluch

Der Wellness-Boom hat dem Ayurveda in den westlichen Ländern innerhalb weniger Jahre eine enorme Bekanntheit gebracht. Mit der wachsenden Popularität steigerte sich aber nicht im gleichen Maße das Wissen um Ayurveda.

Dr. Hans H. Schäffler dazu: „Der Wellnessboom hat den Bekanntheitsgrad des Ayurveda sicher gefördert. Dem Ayurveda selbst dürfte er geschadet haben.“ Weiter spricht er von einem „Zerrbild“, das vom Ayurveda entstanden ist und erläutert: „Der Ayurveda ist eine alte, ganzheitliche Heilkunde, die über Jahrtausende einen ganzen Subkontinent flächendeckend versorgt hat. Sie lebt und stirbt mit der Qualität von ayurvedisch ausgebildeten Ärzten, die sie anbieten. Bevor der Ayurveda sich in der Ärzteschaft etablieren konnte, ist er durch den Wellnessboom auf die Ebene von Therapeuten gelangt, für die es keine vorgeschriebene Ausbildung gibt.“
Frau Reiser, ehemals Beauty Oase: „Leider gibt es viele unseriöse Anbieter, die auf dieser „Welle“ mitschwimmen, die kein Hintergrundwissen haben; nicht wissen, wie tiefgreifend die Behandlungen sind, und die mit minderwertigen Ölen arbeiten."
Dazu auch Sandra Memmo, ayurvedanet: "Eine Shirodhara Anwendung z. B. hat für mich im Wellnessbereich nichts zu suchen."
Auf die Tatsache, dass ayurvedische Behandlungen – falsch angewendet – auch unerwünschte Effekte haben können, weisen unsere Spezialisten klar hin:
Anja Chakrabarty, Anjuli Ayurveda: „Geschadet hat der Wellnessboom dem Ayurveda insofern, als dass durch inkompetente Angebote von Anwendungen und Produkten bereits einige Menschen abgeschreckt, enttäuscht oder gar geschädigt worden sind.“
Dr. E.P.Jeevan, ayurveda-care gibt dazu ein Beispiel: „Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass eine mehr als 5-tägige Ölbehandlung ohne Panchakarma wie z.B. Einläufe, Abführen und Erbrechen zu einer Verschlechterung oder Chronifizierung einer Krankheit führen kann.“

So wie jede Medaille zwei Seiten hat, verhält es sich auch mit der Einschätzungen über die Auswirkungen des Wellnessbooms auf Ayurveda im Westen. Hier der andere Blickwinkel.

Andreas Schwarz: „Die meisten von uns hätten bis heute ohne diese Verbindung von Wellness und Ayurveda doch gar nichts von Ayurveda gehört."
Kerstin Rosenberg, Europäische Akademie für Ayurveda: „Durch den Wellnessboom ist Ayurveda in Europa bekannt geworden und viele Menschen, die "nur " einmal eine Abhyanga oder einen Shirodhara ausprobieren wollten, haben dadurch den Ayurveda entdeckt und konnten zu einer neuen Lebensphilosophie und -Qualität finden.“
Frau Hansen-Mörck, Historischer Krug, hat dazu eine Anmerkung zum Schmunzeln:
(Ergänzung der Red.: Der Wellnessboom hat dem Ayurveda) „genutzt! - Denn vor 23 Jahren, als ich meine Beautyfarm eröffnete, verstand man unter einer 4-händigen Synchron-Ölmassage etwas Unanständiges...“

Wenn man von der ursprünglichen Bedeutung von „Wellness“ ausgeht, erkennt man, dass in diesem Begriff durchaus Aspekte des alten vedischen Wissens enthalten sind.
Dies bestätigt Hans.H. Rhyner auf die Frage, wo er die Abgrenzung von Ayurveda und Wellness sieht: „Eigentlich keine, im Ayurveda ist Gesundheitspflege Teil der Medizin. Hier im Westen ist insoweit abzugrenzen, welche Behandlungen das Gesetz als Wellness oder eben Medizin sieht.“

Ayurveda-Medizin und Wellness – Eine Abgrenzung

Der Versuch einer Abgrenzung lohnt sich allemal, obwohl damit nicht unterstellt wird, dass der Gesetzgeber es im Einzelfall genauso sehen würde.
Die grundsätzliche Problematik erläutert Markus Ludwig, Kalari Kendram: „Ich denke, die Schwierigkeit ist es, besonders im Ayurveda, zu unterscheiden, wo Krankheiten beginnen. Wann ist es Vorsorge und wann schon Therapie. Der Übergang ist fließend.“
Und Dr. Karin Gramminger, Euroved: "Bei der Ayurveda Medizin steht der Einklang von Körper und Geist und die Heilung der Ungleichgewichte (Erkrankungen) klar im Vordergrund. Wir müssen Medizin einnehmen, die uns nicht schmeckt, das verwendete Öl hat eher medizinische Eigenschaften und duftet nicht, wie wir es mögen würden, die Nahrung fördert den Ausgleich der Doshas und ist nicht notwendigerweise wohlduftend und wohlschmeckend, sondern in erster Linie heilend.

Bei der Wellness steht das Wohlfühlen während der Behandlung im Vordergrund, sie wird, falls es von geschultem Personal durchgeführt wird, auch sanft ausgleichend wirken, aber ist mit einer medizinischen Behandlung nicht zu vergleichen.
Hierzu sagt Kerstin Rosenberg, Europäische Akademie für Ayurveda: „Die Medizin beginnt dort, wo Wellness aufhört. Das heißt, wenn klar diagnostizierbare Krankheitsbilder und Beschwerden vorliegen. Aus ayurvedischer Sicht würden wir sagen, dass die Medizin spätestens ab dem 4. Krankheitsstadium zum Einsatz kommt, da sich nun Dosha-Störungen im strukturellen Körper (Dhatus und Srotas) manifestiert haben. Diese müssen nun mit heilkundlerischen Maßnahmen wie Ausleitungsverfahren (Pancakarma) oder Kräutertherapien (Dravyaguna) behandelt werden. Ausgleichende und besänftigende Maßnahmen wie Ölmassagen, eine Ernährungsumstellung oder einfache Gesundheitsempfehlungen dienen erst einmal der Harmonisierung der funktionalen Anatomie (Doshas und Agni) und können bereits bei leichten Störungen eingesetzt werden, bevor es zum Entstehen einer Krankheit kommt.

Kerstin Rosenberg greift hier einen wichtigen Aspekt der ayurvedischen Lehre auf:
Die Entstehung von Krankheit.

Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Exkurs:

„Nach den Lehren des Ayurveda ist Krankheit das Endergebnis eines langen Prozesses, der in jedem Stadium erkannt und beeinflusst werden kann….Der Krankheitprozess beginnt mit Störungen des Gleichgewichts zwischen den Doshas. Zeitweilige Ungleichgewichtszustände treten häufig auf und sind normal. Probleme tauchen erst auf, wenn die entstandenen Übermaßzustände nicht wieder ausgeglichen werden.“ (Quelle: Selbstheilung mit Ayurveda, Dr. Vasant Lad, O.W.Barth Verlag)

Man unterscheidet 6 verschiedene Stadien der Krankheitsentwicklung:

  • Akkumulation: milde Zunahme eines Doshas in seinem Hauptsitz (bedingt durch Ernährung, Witterung, Jahreszeiten, Emotionen)
  • Provokation/Entstehung des Übermaßes: starke Ansammlung
  • Ausbreitung: das provozierte Dosha breitet sich über Blut und Zirkulation im Körper aus
  • Festsetzung: das gestörte Dosha setzt sich in einem geschwächtem Gewebe fest
  • Manifestation: klinische Symptome treten offen zutage
  • Strukturelle Veränderungen: Gewebe werden zerstört, Krankheit wird chronisch oder unheilbar

(Quelle: „Selbstheilung mit Ayurveda“, Vasant Lad, O.W.Barth Verlag und „Das Praxis-Handbuch Ayurveda, Hans H.Rhyner, Urania Verlag)

Nach Dr. Vasant Lad kann man die Balance in den ersten zwei Stufen durch eigene Verhaltensänderungen wieder herstellen. Ab der Stufe „Ausbreitung“ benötigt man schon Hilfe eines Ayurveda-Spezialisten. H. Rhyner erläutert, dass man bei korrigierenden Maßnahmen nur innerhalb der ersten drei Stadien von Prävention sprechen kann. Danach ist es klar medizinisch.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass der schulmedizinische Ansatz Krankheit erst im 4. Stadium wahrnimmt, wenn sich körperliche Symptome zeigen. Vorher gilt der Mensch als gesund.

Weiterhin haben wir unsere Spezialisten gefragt, welche Qualitätskriterien sie jeweils für ayurvedische Wellness-Behandlungen und medizinisch-ayurvedische Behandlungen heranziehen.

Ayurveda-Wellness - Qualitätskriterien

Anja und Ekram Chakrabarty, Anjuli Ayurveda, beantworten diese Frage folgendermaßen: „Das wichtigste Qualitätskriterium für eine ayurvedische Anwendung – auch im Wellness-Bereich – liegt bei dem Ausbildungsstand des behandelnden Therapeuten. Jede Person, die mithilfe von Ayurveda Menschen behandeln möchte, sollte fundierte Kenntnisse über die ayurvedischen Lehren besitzen. Nur so kann gewährleistet sein, dass die Art der Anwendung, die verwendeten Substanzen (z.B. Öle oder Pulver) sowie die Rahmenbedingungen optimal auf die Kundin/den Kunden ausgerichtet sind.

Außerdem ergänzt Markus Ludwig, Kalari Kendram: „Der Anwender sollte genau wissen, wo die eigenen Grenzen sind. Dass es nicht darum gehen kann, sich an Symptomen auszuprobieren. Er sollte seine Aufgabe verantwortungsvoll und klar im Bereich der Vorsorge bzw. des Ausgleichs definiert sehen.“
Darüber hinaus weisen Anja und Ekram Chakrabarty, Anjuli Ayurveda noch auf folgende Aspekte hin: „Ist die Therapeutin/der Therapeut entsprechend gut ausgebildet, wird sie/er darauf achten, dass alle weiteren Aspekte erfüllt sind, die zu einer hochwertigen ayurvedischen Wellness-Anwendung gehören. Die wichtigsten sind:

a) ein einführendes Gespräch zur Aufnahme des aktuellen Zustands der Kundin/ des Kunden mit anschließender Auswahl der geeigneten Behandlung
b) ein ruhig gelegener Behandlungsraum, in dem nur eine Person auf einmal behandelt wird
c) Verwendung traditionell hergestellter ayurvedischer Öle, Pulver, etc.
d) eine ausreichende Ruhe- und Betreuungszeit im Anschluss an die Behandlung“

Auf die Bedeutung von weiterführenden Empfehlungen zur Lebensführung weist Lenka Hansen-Mörck, Historischer Krug hin:  „Auf jeden Fall muss man bei der Behandlung auch die Ernährung mit einbeziehen. Eine ayurvedische Massage ist noch lange kein Ayurveda-Wellness.“
Auf die Tatsache, dass Wellness einen langfristigen Aspekt enthält, der über die eigentliche Behandlung hinausgeht, weist Hans H. Rhyner hin: „Den Klienten zu motivieren, aktiv für ihre/seine Gesundheit zu werden.“

Ayurveda-Medizin – Qualitätskriterien

Medizinisch arbeiten dürfen im Westen ausgebildete Schulmediziner. In Deutschland gibt es noch den Heilpraktiker, der ebenfalls medizinisch-heilend tätig sein darf. Diese Ausbildung des Heilpraktikers ist in anderen Ländern allerdings nicht bekannt bzw. anerkannt.

Beim Begriff „Ayurveda-Arzt“ kann man folgendermaßen unterscheiden:

1.Schulmediziner mit ayurvedischer Zusatzausbildung .

Diese Zusatzausbildung ist nicht standardisiert, d.h. ein Schulmediziner mit anerkanntem Abschluss in westlicher Medizin kann vom Gesetzgeber her ayurvedisch-medizinisch tätig werden, unabhängig von der Stundenzahl seiner ayurvedischen Ausbildung

2. Bachelor of Ayurvedic Medical Science (B.A.M.S.)
5-jähriges Studium der Ayurveda Medizin in Indien, Abschluss in Europa nicht anerkannt

3. Medical Doctor (M.D.)
2-jähriges Zusatzstudium, das auf den B.A.M.S. aufbaut, auch dieser Abschluss ist in Europa nicht anerkannt

4. Ayurveda-Vaidya
Heilkundige, die einer langen, z.Tl. jahrhunderte-alten Lehrer-Schüler Tradition entstammen, meist innerhalb von Familien weitergegeben

Die Tatsache, dass der Begriff „Ayurveda-Arzt“ kein geschützter Begriff ist, zeigt das Dilemma, in dem sich Interessierte befinden, die ayurvedisch-medizinischen Rat suchen.

Anders ausgedrückt, könnte man sagen: Diejenigen, die vom Gesetz her dürfen, sind nicht unbedingt diejenigen, die es am besten können, diejenigen, die es nach ihrer Ausbildung her können sollten, dürfen nicht.
An dieser Stelle wollen wir aber noch mal ausdrücklich darauf hinweisen, dass weder der eine oder andere Titel, anerkannt oder nicht, ein sicheres Qualitätskriterium darstellt.
Wie überall im Leben. Exkurs Ende.

Da allgemeingültige Kriterien immer auch etwas mit Kategorisierung und Standardisierung zu tun haben, antwortet Andreas Schwarz entsprechend ironisch: „Ich habe gehört, dass die "Kommission E" (Abteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bereich Phytotherapie) Artemisia als nutzlose Pflanze nachgewiesen hat, welche in unserer Volksmedizin eine "Allesheilerin" ist. Der Papst hat auch gesagt, dass ein Protestant nicht in den Himmel kommen kann, also ich glaube ganz dringend daran, dass wir weitere Medizin-Standards entwickeln müssen, damit wir in den Mediziner-Himmel kommen können, denn wo kämen wir denn sonst hin, wenn jeder machen würde, wozu er Lust hat, was ihm gefällt und gut tut? Könnte es vielleicht Selbstverantwortung, Mut und Freiheit sein?“

Kerstin Rosenberg, Europäische Akademie für Ayurveda: „Eine gute medizinische Ayurveda-Behandlung zeichnet sich vor allem durch die Kompetenz und Persönlichkeit des Ayurveda-Arztes aus. Dieser sollte in der ayurvedischen Medizin und auch in den spirituellen und psychologischen Therapieformen kundig und erfahren sein, um diese auf ganzheitliche und einfühlsame Weise zur Gesundung seines Patienten einzusetzen. Wichtig ist, dass der Arzt die traditionelle Ayurveda-Medizin Indiens, bzw. Sri Lankas auf die speziellen Bedürfnisse und Lebensbedingungen eines westlichen Patienten abstimmen kann und Ayurveda als ganzheitliches und integratives Heilsystem für Körper, Geist und Seele anzuwenden versteht.“

Markus Ludwig, Kalari Kendram führt aus: „Ganz sicher gibt es Vaidyas, die mit den aller einfachsten Mitteln eine deutlich hilfreichere Behandlung geben, als andere, die vielleicht beeindruckend ausgestattet sind. Es sind also nicht die äußeren Dinge, die die Qualität bestimmen, sondern es ist der Mensch als Therapeut an sich. Die Anlagen bzw. Fertigkeiten, die ein Mensch naturgegeben hat, dann die Ausbildung seines Wissens und seine Fertigkeiten und danach der bleibende Kontakt zu seiner Wissensquelle, wie z.B. Lehrer, ist meiner Meinung nach entscheiden für die Qualität der Behandlung.“

Neben der fachlichen und persönlichen Qualifikation des Arztes gibt es weitere Punkte, die zu einer fundierten medizinisch-ayurvedischen Behandlung gehören.

Anja und Ekram Chakrabarty, Anjuli Ayurveda dazu:
a) Gründliche Anamnese und umfassende Diagnose
b) Erstellung von Prakriti (Konstitutionstypenanalyse) und Vaikriti (Analyse des aktuellen Zustands)
c) Optimale Zusammenstellung und Durchführung der zur Verfügung stehenden ayurvedischen Therapien
d) ein ruhig gelegener Behandlungsraum, in dem nur eine Person auf einmal behandelt wird
e) intensive Betreuung während (und ggf. nach) der Behandlung, um die Patientin/ den Patienten bei der Verarbeitung der (Nach)Wirkungen zu unterstützen

Dr. Hans Schäffler weist noch auf einen weiteren Aspekt hin, der für die Qualität wichtig ist: „Für die ayurvedischen Kuren muss der Arzt auf ausgebildete Therapeuten zurückgreifen können, die im Gegensatz zum ayurvedischen Praktiker (Anm.der Red.: Praktiker arbeiten rein wellness-mäßig) nach Verordnung des Arztes auch medizinisch indizierte Behandlungen durchführen können.“

Ayurveda und Wellness – Ein Ausblick

Für eine klare Unterscheidung zwischen Wellness und medizinischem Ayurveda und entsprechenden Gütekriterien plädiert Dr. Karin Gramminger, Euroved: „Der Wellnessboom hat Ayurveda bekannt gemacht, wie das mit Moden so ist, inzwischen sollten wir anfangen, zwischen guter Wellness Behandlung und medizinischer Ayurveda Behandlung zu unterscheiden. Gütekriterien sind sowohl für den Wellness Therapeuten wie auch für den behandelnden Ayurveda Arzt wichtig, d.h. es ist wichtig, dass die Ausbildungen an guten und anerkannten Ausbildungsstätten absolviert werden.“

Der Wellness-Boom hat in erster Linie seine eigenen Wurzeln untergraben und damit die ursprüngliche Bedeutung von "Wellness" verwässert.
Klar ist auch, dass die Kenntnisse um das tiefe Wissen des Ayurveda in diesen Sog geraten sind. Das ist aber kein Grund, resigniert den Kopf einzustecken und nur noch zu schimpfen:

Naturarzt Hans. H. Rhyner, Ayurveda-Rhyner: „Der Wellnessboom ist ein Symptom des zunehmenden Gesundheitsbewusstsein und das ist gut für alle Beteiligten.“
Wiebke Zint, Zwei unter einem Dach: „Ich denke dem Ayurveda System kann nichts schaden, es hat schon ganz andere Stürme überstanden…… Ayurveda heißt Wissen vom Leben und das ist vielfältig wie ein bunter Blumenstrauß…Ayurveda im Wellnesbereich, wenn es gebraucht wird. Ayurveda Medizin, wenn sie gebraucht wird. Jedes Ding hat seine Zeit und seine Berechtigung.“
Gabrielle Scheffler, Sundari: „Ich denke, jeder (Kunde, Klient oder Patient) findet erst einmal das, was er braucht und wenn er tiefer einsteigen möchte und merkt, Ayurveda hat viel mehr zu bieten, wird er weitergehen und auf Menschen treffen, die auch tiefer mit Ayurveda arbeiten. (Resonanzgesetz!)“
Markus Ludwig, Kalari Kendram: Natürlich ist es so, das sich hinter dem Begriff viel mehr verbirgt, als viele auch nur ahnen. Die Tür ist auf jeden Fall schon einmal geöffnet, nun ist es an uns, was wir daraus machen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Im Anschluss finden Sie die vollständigen Antworten unserer Ayurveda-Experten auf unsere Fragen.

Andreas Schwarz, Andreas Schwarz Ayurveda

Anja und Ekram Chakrabarty, Anjuli Ayurveda

Brigitta Künzli, Ayurquell

Christian Grabowski, Ananda Shakti

Dr. Dietrich Wachsmuth

Dr. E.P. Jeevan, ayurveda-care

Dr. Hans H. Schäffler, Gesundheitszentrum Schloss Pichlarn

Dr. Karin Gramminger, Euroved

Gabrielle Scheffler, Sundari

Kerstin Rosenberg, Europäische Akademie für Ayurveda

Lenka Hansen-Mörck, Beauty-Farm im Historischen Krug

Markus Ludwig, Kalari Kendram

Sandra Memmo, ayurvedanet

Soraya Pillibeit, Ayurveda-Center Tieringen

Wiebke Zint, Zwei unter einem Dach



Ayurveda Kalender

×