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Herstellung ayurvedischer Heilmittel

25.02.2003 | von K.-H.Behnke Die Zubereitung der ayurvedischen Heilmittel wird in klassischen Lehrbüchern ausführlich behandelt. Bei der Zusammenstellung ist nicht nur die Identifikation der richtigen Pflanze von großer Bedeutung, sondern auch welcher Teil der Pflanze verwendet wird und wie sie geerntet und aufbewahrt ist. In der ayurvedischen Pharmakologie gibt es ungefähr 26 Darreichungsformen.

Hierzu gehören arzneiliche Pulver, Extrakte und Tabletten, Dekokte und Abkochungen in Wasser und Milch, Sirupe, Pasten und Gelees, Destillate und Kräuteröle. Einerseits haben diese Zubereitungen eine ganzheitliche Heilung ohne Nebenwirkungen und eine gute Resorption zum Ziel, andererseits sind sie darauf abgezielt, die energistische Wirkung der verschiedenen Pflanzen zu behalten. Im Folgenden werden die wichtigsten Arzneiformen aufgelistet.

Die wichtigsten Arzneiformen

Churnas
Das Wort Churna bedeutet buchstäblich Pulver. Ein Churna ist ein Pulver aus getrockneten Früchten, Pflanzen- oder Pflanzenteilen. Abhängig von der Rezeptur wird das Pulver mit frischen Säften derselben Pflanze angefeuchtet, in der Sonne getrocknet und wiederum zermahlen.
Manche Produkte sind etwas schwierig einzunehmen. Deswegen gibt es auch Churnas in Tablettenform, was auch eine Standardisierung ermöglicht.

Im Allgemeinen werden Churnas mit Wasser dargereicht. Abhängig von der Konstitution der Patienten oder der Rezeptur des Churnas, wird dies manchmal auch mit Ghee (geklärte Butter), Honig oder Milch eingenommen.
Beispiel: Manibhadradi Churna.

Vati oder Guti
Auch hier werden die Pflanzen oder Pflanzenteile und Früchte getrocknet und zu Pulver zermahlen. Nach diesem Prozess wird das Pulver vermischt mit einer bestimmten Menge von Pflanzen- und Fruchtsäften, wodurch das Pulver zu einer tonartigen Substanz verarbeitet wird. Aus dieser Substanz werden kleine Pillen gedreht, die zunächst getrocknet werden. Heutzutage werden Vatis vornehmlich maschinell fabriziert.
Die meisten ayurvedischen Mittel werden in Pillen- und Tablettenform geliefert

Bhasma und Pishti
Bhasmas sind Zubereitungen aus gereinigten und pulverisierten Metallen, Edelsteinen und Mineralien. Diese Inhaltstoffe werden erhitzt und abgekühlt zu Oxyd. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt. In der Zubereitung von Pishtis werden die Inhaltstoffe nicht erhitzt. Hierbei werden die Metalle nur pulverisiert, in Rosenwasser getränkt und dann getrocknet. Bhasmas sind äußerst leicht aufzunehmen. Pishtis erhöhen die Energielage. Um eine gute therapeutische Wirkung von Bhasmas und Pishtis zu gewährleisten, gelten folgende Voraussetzungen
• wenn Bhasmas und Pishtis auf Wasser gestreut werden sollten sie treiben;
• das Pulver sollte so fein sein, dass es in die Rillen der Finger passt;
• beim Erhitzen mit anderen Pflanzen darf ein Bhasma nicht mehr in seine Grundform zurückkehren;
Beispiel: Praval Pishti
Bhasmas werden auch regelmäßig in anderen ayurvedischen Mitteln verarbeitet.

Kwath
Ein Kwath ist ein Pflanzengetränk, bei dem eine Mischung von Pflanzen mit der 16fachen Menge an Wasser gekocht werden. Durch den Kochprozess wird die Substanz gewissermaßen eingedickt. Ein Kwath ist hierdurch leichter aufzunehmen und hat eine kräftigere Wirkung als die Churnas. Ein Kwath kann auch als Anupana (Mittel um Pillen und Tabletten zu schlucken) für andere ayurvedische Medikamente angewendet werden.
Beispiel: Brihat Manjishtadi Kwatha.

Avahela
Mit Avahela ist eine Paste gemeint, worin Zucker, Ghee (geklärte Butter) und Pflanzen verarbeitet sind. Sie wird durch einen Erwärmungsprozess, der einige Stunden andauert, hergestellt. Avahelas werden im Allgemeinen mit Milch eingenommen. Avahelas ernähren und stärken den Körper und sind besonders gut geeignet für den Aufbau von Körpergeweben. Sie werden oft nach einer Reinigungskur eingesetzt.

Asavas und Rishtas
Asavas und Rishtas sind arzneiliche Weine mit Zucker und Honig. Der Alkoholgehalt schwankt zwischen 7 bis 10 Prozent. Der Alkohol in Rishtas und Asavas entsteht durch Selbstgärung. Der Unterschied zwischen Asavas und Rishtas ist, dass bei einem Asava die spezifischen Inhaltstoffe in ungekochtem Wasser zur Fermentation aufgelöst werden. In der Zubereitung des Rishtas wird das Pflanzengetränk für eine bestimmte Zeit gekocht, nachdem die restlichen Inhaltstoffe hinzugefügt werden.

Der Vorteil von Asavas und Rishtas ist, dass sie äußerst leicht aufzunehmen sind. Die arzneilichen Eigenschaften nehmen im Laufe der Zeit zu. Vor allem bei Menschen mit einer schwachen Konstitution haben Asavas und Rishtas eine vorteilhafte Wirkung. Diese Pflanzenweine werden normalerweise direkt nach der Mahlzeit eingenommen, ca. 10 bis 30 ml mit derselben Menge Wasser.
Beispiel: Pathady Arishta.

Thailas
Diese Kräuteröle kommen in Ayurveda zum größten Teil in der Massage zur Anwendung. Diese Anwendungsart kombiniert die heilsamen Effekte von Massage mit der heilenden Wirkung von arzneilichen Pflanzen. Die besonderen Heipflanzenextrakte, Mineralien und tierische Substanzen die in Ölen verarbeitet werden, verleihen jedem Öl spezifische Wirkungen und Anwendungsgebiete. Im Allgemeinen sieht die Zubereitung eines ayurvedischen, arzneilichen Öls wie folgt aus:
1 Teil Pflanzen,
4 Teile Öl,
16 Teile Wasser werden
4 bis 8 Stunden auf niedriger Flamme erhitzt.
Während dieses Prozesses wird die arzneiliche Wirkung der Pflanzen auf das Öl übertragen. Das Öl ist fertig, wenn das Wasser völlig aus der Mischung verdampft ist.

Detaillierte Angaben befinden sich im zweiten Teil dieses Buches im Kapitel »Ayurvedische Kräuteröle«.

Aus "Rezepturen und Heilpflanzen der ayurvedischen Medizin, Verzeichnis für Ärzte und Therapeuten" von K.-H. Behnke, mit freundlicher Genehmigung des Sonntag Verlag, Copyright beim Sonntag Verlag.
Dieses Buch können Sie hier bestellen.

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