Status: Nicht angemeldet
Heutzutage weiß jeder, daß er seine Gesundheit gefährdet, wenn er jeden Morgen ein Steak und Eier zum Frühstück ißt oder den ganzen Tag auf dem Sofa sitzt.
Wer einem Herzinfarkt vorbeugen will, sollte solche Gewohnheiten ablegen. Seinen Lebensstil zu ändern ist allerdings nur der erste Schritt. Viel wichtiger ist eine neue Sichtweise, ein Quantensprung, der über die übliche Auffassung von Gesundheit, Krankheit und dem menschlichen Körper hinausgreift.
Lassen Sie mich die Auswirkungen dieses Quantensprungs näher erläutern. Bevor Albert Einstein und andere Physiker zu Beginn dieses Jahrhunderts ihre bahnbrechenden Entdeckungen machten, war die Naturwissenschaft im Westen über zweihundert Jahre lang durch ein mechanistisches und materialistisches Weltbild geprägt gewesen. Seit dem späten 17. Jahrhundert, als Isaac Newton die Gesetze der Schwerkraft und der Planetenbewegungen formulierte, wurde der Kosmos als große Maschine angesehen, wie ein riesiges Uhrwerk etwa. Als wesentliche Aufgabe der Naturwissenschaft galt es zu verstehen, wie diese Maschine arbeitete, ihre Funktionsweise sorgfältig zu beschreiben und dieses Wissen zum Wohle der Menschheit umzusetzen.
Auch der menschliche Körper wurde in der westlichen Medizin als komplizierte Maschine betrachtet. Traten Krankheiten oder Verletzungen auf, diagnostizierten und behandelten die Ärzte das Problem in ähnlicher Weise wie gute Mechaniker. Ein solches Bild haben die meisten Menschen auch heute noch von ihrem Körper.
Der grundlegende Wandel in der Vorstellung der Physiker vom Universum, der sich im Laufe der letzten hundert Jahre vollzog, hatte weitreichende Konsequenzen für unser Verständnis des menschlichen Körpers. Es stellte sich heraus, daß auf den grundlegenden Ebenen - den Quantenebenen - das materialistische Modell der Schöpfung unzureichend war, da sich die Materie auf diesen Ebenen im wahrsten Sinne des Wortes auflöst. Subatomare Materie ist überhaupt keine Materie, sondern strömende Energie, die nur bei der Betrachtung unter bestimmten Bedingungen als fest erscheint. Die Quantenwirklichkeit ist unscharf, trügerisch, wechselhaft und voll scheinbarer Widersprüche. Überdies sind die Art und selbst die Existenz der Quantenwirklichkeit von der Beobachtung abhängig. Ohne Beobachter, ohne ein Bewußtsein, daß sich auf das richtet, was auf der Quantenebene »da« ist, existiert dort gar nichts. Am Ursprung des Universums schafft also das Bewußtsein die Wirklichkeit.
Die Kluft zwischen dieser Denkweise und der alten mechanistischen Sicht des Universums kann nur durch einen »Quantensprung« überbrückt werden.
Im Zuge dieser Entwicklungen in der modernen Physik wurde zunehmend deutlich, daß der menschliche Körper keine bloße Maschine aus Knochen und Gewebe ist, sondern daß er ein völlig anderes System darstellt. Unsere Existenz als körperliche Wesen läßt sich von unseren Gefühlen und Gedanken nicht trennen, denn unser Bewußtsein hat unmittelbare Auswirkungen auf jede Zelle in unserem Fleisch und Blut: Jeder Gedanke schafft ein Molekül. Alles, was sich im geistigen, emotionalen und spirituellen Bereich abspielt, schlägt sich auch auf der körperlichen Ebene nieder. Wer wir sind, beschränkt sich nicht darauf, wieviel wir wiegen oder in welchem Jahr wir geboren wurden. Wer wir sind - und wer wir sein wollen -, hängt auch davon ab, was wir denken, fühlen und glauben. Gesundheit ist also nicht nur die Abwesenheit von Krankheit. Es ist die harmonische Einheit unseres Bewußtseins, unseres Körpers und der Welt, in der wir leben. Der Kosmos ist unser erweiterter Körper, ebenso wie unser Körper das ganze Universum enthält.
In diesem Buch werden wir erforschen, was die neuen Perspektiven für die koronare Herzkrankheit (KHK) bedeuten. Eine solche Untersuchung ist wichtig, weil diese Krankheit ein schwerwiegendes Problem in unserer Gesellschaft darstellt. Jeden Tag befassen sich Millionen von Menschen mit Herzkrankheiten. Täglich tauchen neue Medikamente, Bücher, Seminare, Artikel und wissenschaftliche Studien auf und bieten weitere Erkenntnisse über Herzkrankheiten. Ihr Cholesterinwert ist Ihnen vermutlich ebenso geläufig wie Ihre Telefonnummer. Es gibt spezielle Kochbücher für das gesunde Herz, besondere Menüs in Restaurants und Frequenzmeßgeräte zur Kontrolle des Herz-Kreislauf-Systems. Alte Vorstellungen über Herzkrankheiten werden durch neue ersetzt, neue Theorien werden entkräftet und von zeitlosen Wahrheiten abgelöst.
Unser großes Interesse am Herzen hat gute Gründe. Herzkrankheiten sind in den Industriegesellschaften die Todesursache Nummer eins. An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben doppelt so viele Menschen wie an allen Arten von Krebs zusammengenommen. Dabei sind die koronaren Herzkrankheiten für die Hälfte der durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingten Todesfälle verantwortlich. Während an Krebs allerdings am häufigsten ältere Menschen erkranken, ist fast die Hälfte der Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, unter 65 Jahre alt. Von diesen sterben etwa 250 000 innerhalb einer Stunde nach dem Auftreten der ersten Symptome. Und was vielleicht am alarmierendsten ist: Etwa 25 Prozent aller Herzinfarkte treten bei Menschen auf, die keine der bekannten Risikofaktoren zeigen.
Eine Herzkrankheit konfrontiert den Menschen mit seiner Sterblichkeit. Falls Sie sich gerade von einem Herzinfarkt erholen, müssen Sie wahrscheinlich von nun an bestimmte Aktivitäten einschränken, die Ihnen bisher Erf*üllung und Freude bereitet haben. Viele Patienten stellen fest, daß die Krankheit ihnen ihre Stärke, Ausdauer und Vitalität genommen hat. Statistiken zeigen, daß eine Herzkrankheit oder ein Herzinfarkt oft langfristig den Optimismus und die Lebenshoffnung eines Menschen beeinträchtigt: 40 Prozent der Patienten leiden an schweren Depressionen.
Es gibt also genügend Gründe für den Überfluß an Informationen über das Herz und die Herzkrankheiten, und Sie fragen sich vielleicht, weshalb ich dem noch etwas hinzufügen möchte. Schließlich handelt es sich bei den Autoren der meisten Bücher über Herzkrankheiten um Kardiologen, während meine Spezialgebiete die Endokrinologie und die Innere Medizin sind.
Womit ich Sie in diesem Buch vertraut machen möchte, ist eine andere Sichtweise der Medizin, die ich durch meine Ausbildung im Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunst, gewonnen habe. Der Ayurveda lehrt, daß niemand mehr über Ihre Gesundheit weiß als Sie selbst - vorausgesetzt, Sie haben gelernt, auf die Signale Ihres Körpers zu achten und sie richtig zu deuten. Als ayurvedischer Arzt glaube ich, daß ich durch die Bestimmung Ihres Konstitutionstyps genausoviel - wenn nicht mehr - über ihren Gesundheitszustand erfahren kann wie durch Ihren Cholesterinwert oder andere diagnostische Merkmale (siehe Kapitel 3: »Sich selbst kennenlernen«).
Ziel des Ayurveda ist es, Geist, Körper und Seele ins Gleichgewicht zu bringen. Die Lehren dieses zeitlosen Wissens sind dazu bestimmt, die feinen und doch kraftvollen Beziehungen zwischen Ihrem körperlichen Selbst, Ihren Gefühlen und sogar Ihren alltäglichen Routinetätigkeiten zu enthüllen. Das ist keine bloße philosophische Gedankenspielerei. Sobald Sie diese Wechselbeziehungen verstanden haben, können wir praktische Schritte unternehmen, um Sie gesund zu erhalten -wenn Ihr Körper im Gleichgewicht ist -, oder um Ihre Gesundheit so rasch wie möglich wiederherzustellen, wenn sich bereits eine Krankheit entwickelt hat.
Während die westliche Medizin in ihrer Fähigkeit, in einem akuten Krankheitsfall Hilfe zu leisten, unübertroffen ist, versucht der Ayurveda, die Notwendigkeit solcher Kriseneingriffe von vornherein zu vermeiden. Der ayurvedische Arzt, der die innerste Natur des Patienten ergründet, will nicht einfach nur die Symptome unterdrücken, sondern bemüht sich darum, einen Zustand vollkommener Gesundheit aufrechtzuerhalten.
Die koronare Herzkrankheit ist für eine ayurvedische Behandlungsweise besonders geeignet. Diese Erkrankung überschreitet nicht nur die medizinischen Fachgebiete, sondern sie geht auch über die Grenzen der Medizin insgesamt hinaus, wie sie im Westen allgemein verstanden wird. Eine sinnvolle Behandlung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen muß nicht nur verschiedene Fachbereiche wie Physiologie und Chemie einbeziehen, sondern auch die Überzeugungen, Ängste und den Glauben des betroffenen Menschen berücksichtigen. Die innersten Gefühle eines Patienten spielen eine entscheidende Rolle dabei, erfolgreich mit einer Herzkrankheit leben und sie schließlich überwinden zu können.
Die Bedeutung dieser emotionalen Komponente kann gar nicht überbewertet werden. 1966, also vor mehr als 3o Jahren, erschien im »Journal of the American Medical Association« ein faszinierender Bericht zu diesem Thema. Man hatte festgestellt, daß in der Stadt Roseto im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania die Anzahl der Todesfälle durch Herzinfarkt nur halb so hoch war wie im übrigen Land. Obwohl sich die durch Herzkrankheiten verursachten Todesfälle generell mit zunehmendem Alter häufen, starben in Roseto praktisch keine Männer der Altersgruppe zwischen 55 und 64 Jahren an einem Herzanfall. Die Sterbequote in den Städten rund um Roseto entsprach dagegen in etwa dem nationalen Durchschnitt.
Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluß, daß diese bemerkenswerte Abweichung von der Norm nichts mit den üblichen Risikofaktoren wie Rauchen oder Ernährung zu tun hatte. Statt dessen fanden sie heraus, daß die einzigartigen Wertvorstellungen in dieser Gemeinde - eine ausgeprägte Arbeitsmoral, die intensive gegenseitige Unterstützung von Nachbarn und Freunden, die Achtung und Pflege der alten Menschen in der Familie sowie gemeinsam veranstaltete Feste - eine große Rolle dabei spielten, daß diese Menschen so widerstandsfähig gegen Herzkrankheiten waren.
Die Studie über die Einwohner von Roseto wurde bis in die siebziger und achtziger Jahre fortgeführt: Mit der Zeit veränderte sich die Gesellschaft, und an die Stelle der traditionellen Werte traten materialistischere Ziele. Die Einkommensunterschiede verschärften sich. Die traditionellen Sitten und Gebräuche wurden aufgegeben. Schließlich stieg die Anzahl der Herzkrankheiten auf den landesweit üblichen Durchschnitt an. Dieses traurige, aber eindeutige Beispiel zeigt, daß sowohl der Körper als auch der Geist an der Entstehung von Herzkrankheiten beteiligt sind.
Auszug aus "Das gesunde Herz" von Dr. med. Deepak Chopra, mit freundlicher Gehmigung des Gustav Lübbe Verlags, Copyright Gustav Lübbe Verlag, Lübbe Verlag
Dieses Buch können Sie hier direkt bestellen
Das Herz - Zentrum unseres Seins
15.12.2002 | Von Dr. med. Deepak Chopra Das menschliche Herz liegt nicht nur mitten im Brustraum, es ist auch das Zentrum unseres Bewußtseins. Unser Herz ist das wichtigste Organ des Blutkreislaufs - und es beherbergt unsere Seele. Selbst im Sprachgebrauch wird die zentrale Rolle des Herzens offenbar: Was »von Herzen kommt« drückt unsere tiefsten Gefühle und Überzeugungen aus. Menschen, die wir lieben, haben wir »ins Herz geschlossen«.
![]() |
Trotz alledem ist das Herz in der heutigen Gesellschaft oft seiner Poesie beraubt. Besonders die moderne Medizin betrachtet es im wesentlichen als eine Maschine - wie jede andere Pumpe auch. In unserem Gefühlsleben bringen wir das Herz bereitwillig mit unseren tiefsten Empfindungen, Überzeugungen und Erfahrungen in Verbindung. Sobald es jedoch um eine Herzkrankheit geht, neigen wir dazu, diese Aspekte beiseite zu schieben; die Vorstellung, daß bloße Gefühle irgendeinen Einfluß auf das wichtigste Organ unseres körperlichen Selbst haben könnten, erscheint uns naiv. Ich bin aber davon überzeugt, daß die Beziehung zwischen Geist und Körper - zwischen Kopf und Herz - den Verlauf einer Herzkrankheit ebenso stark beeinflußt wie Medikamente, die Ernährung oder sportliche Betätigung. |
Wer einem Herzinfarkt vorbeugen will, sollte solche Gewohnheiten ablegen. Seinen Lebensstil zu ändern ist allerdings nur der erste Schritt. Viel wichtiger ist eine neue Sichtweise, ein Quantensprung, der über die übliche Auffassung von Gesundheit, Krankheit und dem menschlichen Körper hinausgreift.
Lassen Sie mich die Auswirkungen dieses Quantensprungs näher erläutern. Bevor Albert Einstein und andere Physiker zu Beginn dieses Jahrhunderts ihre bahnbrechenden Entdeckungen machten, war die Naturwissenschaft im Westen über zweihundert Jahre lang durch ein mechanistisches und materialistisches Weltbild geprägt gewesen. Seit dem späten 17. Jahrhundert, als Isaac Newton die Gesetze der Schwerkraft und der Planetenbewegungen formulierte, wurde der Kosmos als große Maschine angesehen, wie ein riesiges Uhrwerk etwa. Als wesentliche Aufgabe der Naturwissenschaft galt es zu verstehen, wie diese Maschine arbeitete, ihre Funktionsweise sorgfältig zu beschreiben und dieses Wissen zum Wohle der Menschheit umzusetzen.
Auch der menschliche Körper wurde in der westlichen Medizin als komplizierte Maschine betrachtet. Traten Krankheiten oder Verletzungen auf, diagnostizierten und behandelten die Ärzte das Problem in ähnlicher Weise wie gute Mechaniker. Ein solches Bild haben die meisten Menschen auch heute noch von ihrem Körper.
Der grundlegende Wandel in der Vorstellung der Physiker vom Universum, der sich im Laufe der letzten hundert Jahre vollzog, hatte weitreichende Konsequenzen für unser Verständnis des menschlichen Körpers. Es stellte sich heraus, daß auf den grundlegenden Ebenen - den Quantenebenen - das materialistische Modell der Schöpfung unzureichend war, da sich die Materie auf diesen Ebenen im wahrsten Sinne des Wortes auflöst. Subatomare Materie ist überhaupt keine Materie, sondern strömende Energie, die nur bei der Betrachtung unter bestimmten Bedingungen als fest erscheint. Die Quantenwirklichkeit ist unscharf, trügerisch, wechselhaft und voll scheinbarer Widersprüche. Überdies sind die Art und selbst die Existenz der Quantenwirklichkeit von der Beobachtung abhängig. Ohne Beobachter, ohne ein Bewußtsein, daß sich auf das richtet, was auf der Quantenebene »da« ist, existiert dort gar nichts. Am Ursprung des Universums schafft also das Bewußtsein die Wirklichkeit.
Die Kluft zwischen dieser Denkweise und der alten mechanistischen Sicht des Universums kann nur durch einen »Quantensprung« überbrückt werden.
Im Zuge dieser Entwicklungen in der modernen Physik wurde zunehmend deutlich, daß der menschliche Körper keine bloße Maschine aus Knochen und Gewebe ist, sondern daß er ein völlig anderes System darstellt. Unsere Existenz als körperliche Wesen läßt sich von unseren Gefühlen und Gedanken nicht trennen, denn unser Bewußtsein hat unmittelbare Auswirkungen auf jede Zelle in unserem Fleisch und Blut: Jeder Gedanke schafft ein Molekül. Alles, was sich im geistigen, emotionalen und spirituellen Bereich abspielt, schlägt sich auch auf der körperlichen Ebene nieder. Wer wir sind, beschränkt sich nicht darauf, wieviel wir wiegen oder in welchem Jahr wir geboren wurden. Wer wir sind - und wer wir sein wollen -, hängt auch davon ab, was wir denken, fühlen und glauben. Gesundheit ist also nicht nur die Abwesenheit von Krankheit. Es ist die harmonische Einheit unseres Bewußtseins, unseres Körpers und der Welt, in der wir leben. Der Kosmos ist unser erweiterter Körper, ebenso wie unser Körper das ganze Universum enthält.
In diesem Buch werden wir erforschen, was die neuen Perspektiven für die koronare Herzkrankheit (KHK) bedeuten. Eine solche Untersuchung ist wichtig, weil diese Krankheit ein schwerwiegendes Problem in unserer Gesellschaft darstellt. Jeden Tag befassen sich Millionen von Menschen mit Herzkrankheiten. Täglich tauchen neue Medikamente, Bücher, Seminare, Artikel und wissenschaftliche Studien auf und bieten weitere Erkenntnisse über Herzkrankheiten. Ihr Cholesterinwert ist Ihnen vermutlich ebenso geläufig wie Ihre Telefonnummer. Es gibt spezielle Kochbücher für das gesunde Herz, besondere Menüs in Restaurants und Frequenzmeßgeräte zur Kontrolle des Herz-Kreislauf-Systems. Alte Vorstellungen über Herzkrankheiten werden durch neue ersetzt, neue Theorien werden entkräftet und von zeitlosen Wahrheiten abgelöst.
Unser großes Interesse am Herzen hat gute Gründe. Herzkrankheiten sind in den Industriegesellschaften die Todesursache Nummer eins. An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben doppelt so viele Menschen wie an allen Arten von Krebs zusammengenommen. Dabei sind die koronaren Herzkrankheiten für die Hälfte der durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingten Todesfälle verantwortlich. Während an Krebs allerdings am häufigsten ältere Menschen erkranken, ist fast die Hälfte der Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, unter 65 Jahre alt. Von diesen sterben etwa 250 000 innerhalb einer Stunde nach dem Auftreten der ersten Symptome. Und was vielleicht am alarmierendsten ist: Etwa 25 Prozent aller Herzinfarkte treten bei Menschen auf, die keine der bekannten Risikofaktoren zeigen.
Eine Herzkrankheit konfrontiert den Menschen mit seiner Sterblichkeit. Falls Sie sich gerade von einem Herzinfarkt erholen, müssen Sie wahrscheinlich von nun an bestimmte Aktivitäten einschränken, die Ihnen bisher Erf*üllung und Freude bereitet haben. Viele Patienten stellen fest, daß die Krankheit ihnen ihre Stärke, Ausdauer und Vitalität genommen hat. Statistiken zeigen, daß eine Herzkrankheit oder ein Herzinfarkt oft langfristig den Optimismus und die Lebenshoffnung eines Menschen beeinträchtigt: 40 Prozent der Patienten leiden an schweren Depressionen.
Es gibt also genügend Gründe für den Überfluß an Informationen über das Herz und die Herzkrankheiten, und Sie fragen sich vielleicht, weshalb ich dem noch etwas hinzufügen möchte. Schließlich handelt es sich bei den Autoren der meisten Bücher über Herzkrankheiten um Kardiologen, während meine Spezialgebiete die Endokrinologie und die Innere Medizin sind.
Womit ich Sie in diesem Buch vertraut machen möchte, ist eine andere Sichtweise der Medizin, die ich durch meine Ausbildung im Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunst, gewonnen habe. Der Ayurveda lehrt, daß niemand mehr über Ihre Gesundheit weiß als Sie selbst - vorausgesetzt, Sie haben gelernt, auf die Signale Ihres Körpers zu achten und sie richtig zu deuten. Als ayurvedischer Arzt glaube ich, daß ich durch die Bestimmung Ihres Konstitutionstyps genausoviel - wenn nicht mehr - über ihren Gesundheitszustand erfahren kann wie durch Ihren Cholesterinwert oder andere diagnostische Merkmale (siehe Kapitel 3: »Sich selbst kennenlernen«).
Ziel des Ayurveda ist es, Geist, Körper und Seele ins Gleichgewicht zu bringen. Die Lehren dieses zeitlosen Wissens sind dazu bestimmt, die feinen und doch kraftvollen Beziehungen zwischen Ihrem körperlichen Selbst, Ihren Gefühlen und sogar Ihren alltäglichen Routinetätigkeiten zu enthüllen. Das ist keine bloße philosophische Gedankenspielerei. Sobald Sie diese Wechselbeziehungen verstanden haben, können wir praktische Schritte unternehmen, um Sie gesund zu erhalten -wenn Ihr Körper im Gleichgewicht ist -, oder um Ihre Gesundheit so rasch wie möglich wiederherzustellen, wenn sich bereits eine Krankheit entwickelt hat.
Während die westliche Medizin in ihrer Fähigkeit, in einem akuten Krankheitsfall Hilfe zu leisten, unübertroffen ist, versucht der Ayurveda, die Notwendigkeit solcher Kriseneingriffe von vornherein zu vermeiden. Der ayurvedische Arzt, der die innerste Natur des Patienten ergründet, will nicht einfach nur die Symptome unterdrücken, sondern bemüht sich darum, einen Zustand vollkommener Gesundheit aufrechtzuerhalten.
Die koronare Herzkrankheit ist für eine ayurvedische Behandlungsweise besonders geeignet. Diese Erkrankung überschreitet nicht nur die medizinischen Fachgebiete, sondern sie geht auch über die Grenzen der Medizin insgesamt hinaus, wie sie im Westen allgemein verstanden wird. Eine sinnvolle Behandlung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen muß nicht nur verschiedene Fachbereiche wie Physiologie und Chemie einbeziehen, sondern auch die Überzeugungen, Ängste und den Glauben des betroffenen Menschen berücksichtigen. Die innersten Gefühle eines Patienten spielen eine entscheidende Rolle dabei, erfolgreich mit einer Herzkrankheit leben und sie schließlich überwinden zu können.
Die Bedeutung dieser emotionalen Komponente kann gar nicht überbewertet werden. 1966, also vor mehr als 3o Jahren, erschien im »Journal of the American Medical Association« ein faszinierender Bericht zu diesem Thema. Man hatte festgestellt, daß in der Stadt Roseto im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania die Anzahl der Todesfälle durch Herzinfarkt nur halb so hoch war wie im übrigen Land. Obwohl sich die durch Herzkrankheiten verursachten Todesfälle generell mit zunehmendem Alter häufen, starben in Roseto praktisch keine Männer der Altersgruppe zwischen 55 und 64 Jahren an einem Herzanfall. Die Sterbequote in den Städten rund um Roseto entsprach dagegen in etwa dem nationalen Durchschnitt.
Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluß, daß diese bemerkenswerte Abweichung von der Norm nichts mit den üblichen Risikofaktoren wie Rauchen oder Ernährung zu tun hatte. Statt dessen fanden sie heraus, daß die einzigartigen Wertvorstellungen in dieser Gemeinde - eine ausgeprägte Arbeitsmoral, die intensive gegenseitige Unterstützung von Nachbarn und Freunden, die Achtung und Pflege der alten Menschen in der Familie sowie gemeinsam veranstaltete Feste - eine große Rolle dabei spielten, daß diese Menschen so widerstandsfähig gegen Herzkrankheiten waren.
Die Studie über die Einwohner von Roseto wurde bis in die siebziger und achtziger Jahre fortgeführt: Mit der Zeit veränderte sich die Gesellschaft, und an die Stelle der traditionellen Werte traten materialistischere Ziele. Die Einkommensunterschiede verschärften sich. Die traditionellen Sitten und Gebräuche wurden aufgegeben. Schließlich stieg die Anzahl der Herzkrankheiten auf den landesweit üblichen Durchschnitt an. Dieses traurige, aber eindeutige Beispiel zeigt, daß sowohl der Körper als auch der Geist an der Entstehung von Herzkrankheiten beteiligt sind.
Auszug aus "Das gesunde Herz" von Dr. med. Deepak Chopra, mit freundlicher Gehmigung des Gustav Lübbe Verlags, Copyright Gustav Lübbe Verlag, Lübbe Verlag
Dieses Buch können Sie hier direkt bestellen


.jpg)