Dr. Karin Gramminger - Euroved

1. Wie würden Sie die Abgrenzung von medizinischem Ayurveda zu Wellness definieren?

Bei Ayurveda-Medizin liegt der Schwerpunkt auf der Behandlung einer Störung, bzw. Erkrankung. Bei
der Wellness liegt der Schwerpunkt auf „Wohlfühlen“, sich fallen lassen. Die Ayurveda-Medizin
behandelt alle herkömmlichen Erkrankungen unter zur Hilfenahme von Kräutern, Ernährung und
Lebensstil. In der Ayurveda Diagnostik werden ebenso wie in der Therapie schulmedizinische
Kenntnisse und Erfahrungen vorausgesetzt und es sollte abgewogen werden, welche Therapie im
Einzelfall angewendet wird. Bei der Wellness kann auch ein „Kranker“ behandelt werden, doch liegt
hier der Schwerpunkt nicht auf Heilung im medizinischen Sinne.

2. Wie sehen Sie die Rolle des Ayurveda-Arztes und Heilpraktikers gegenüber dem Patienten? Welches Selbstverständnis zeichnet den Arzt oder HP aus
- aus Sicht des Ayurveda
- aus eigener Sicht

Ein Ayurveda-Arzt verfügt über ein komplettes schulmedizinisches Studium und hat sich in der
Ayurveda-Medizin fortgebildet. Er verfügt über ein fundiertes medizinisches Wissen und weiß genau
wie er Ayurveda-Medizin einsetzen kann. Er sollte auch wissen wie er die 5 ausleitenden Therapien
(Panchakarma) individuell anwenden kann und bei welchen Erkrankungen Panchakarma Besserung
verspricht und bei welchen Erkrankungen Shamana, bzw. schulmedizinischer Therapie wirkungsvoller
ist. Ein Ayurveda-Arzt sollte über tief greifende Kenntnisse in der Ayurveda-Medizin verfügen und
eine entsprechende Ausbildung nachweisen können (s. A.A.A. Ausbildung) Ein seriöser Ayurveda Arzt
wird sich lebenslang unaufgefordert weiterbilden.

3. Welche Rolle spielt Ayurveda im westlichen Gesundheitssystem heute und zukünftig?
Welche Risiken und Chancen gibt es? Gibt es Unterstützung oder Hindernisse, sich als Mediziner oder HP mit Ayurveda auseinander zu setzen?


Die komplette Ausbildung zum A.A.A. (Ambulanten Ayurveda-Arzt) wurde bislang als zertifizierte
Fortbildung von der Ärztekammer anerkannt. Das zeigt, wie die Ayurveda Medizin ihren Platz
innerhalb der medizinischen Heilung findet. Ich finde, es wird ähnlich wie mit der Akupunktur
kommen. Wir werden in einigen Jahren eine breitere Unterstützung und Anerkennung für gute
Ausbildung in der Ayurveda Medizin haben. Es verlangt von den praktizierenden Ärzten Mut, sich dem
Ayurveda mehr zu widmen und in die laufende Praxis zu integrieren. Der Erfolg des Behandelnden
über die jeweilige Erkrankung ist gleichzeitig seine Unterstützung auf seinem naturheilmedizinischem
Weg. Die Patienten danken es dem Arzt und geben ihre Erfahrung gerne weiter.

4. Gibt es Krankheitsbilder, die prädestiniert sind für die Behandlung durch Ayurveda und welche?

Alle chronischen Erkrankungen sind prädestiniert für die ayurvedische Behandlung. Aber nicht nur das,
auch der kleine Schnupfen, Kinderkrankheiten, gynäkologische Erkrankungen, eben alle 8 Disziplinen
des Ayurveda, können durch seriöse Ayurveda Medizin behandelt werden. Ayurveda Medizin wirkt
vorbeugend und heilend.

5. Haben Sie Kenntnisse über Forschungsprojekte zu Ayurveda? Wenn ja, welche?

In Indien wird täglich in Ayurveda Medizin geforscht, so hat z.B. das ayurvedische College in
Thrivandrum im letzten Jahr die Zimmerwände und den Boden mit den für den Patienten kurierenden
Kräutern ausgekleidet und im Rahmen dieser Studie festgestellt, dass mit Einnahme der Kräuter, plus
der Wand- und Bodenauskleidungen mit den gleichen Kräutern, die Heilung des Patienten wesentlich
schneller von statten ging. Es gibt unheimlich interessante Forschungsprojekte über Ayurveda-Medizin
an indischen Universitäten. Mein ehemaliger Prof. Debnath aus Kalkutta ist nach wie vor im Rahmen
der gastroenterologischen Forschung tätig und hat erst kürzlich neue wirksame Kräuter gegen Diabetes
Mellitus entdeckt. Leider finden unsere wissenschaftlichen Zeitschriften nicht soviel Interesse an diesen
Ergebnissen.

6. Welche Möglichkeiten sehen Sie, sich weiterzubilden?

Wir stehen ständig mit internationalen Instituten in Kontakt und sind darüber informiert, wo welcher
namhafte Dozent zu welchen Themen referiert. So kommt z.B. in jedem Jahr Dr. Lad Ende Juli nach
Deutschland um über wichtige Themen für Ayurveda Ärzte zu referieren. Dr. Svovodha ist derzeit in
Spanien und im Juli ist Dr. Frawley in England. Wer sich in Indien fortbilden möchte, kann uns
jederzeit kontaktieren, um entweder bei Dr. Lad zu lernen oder aber um in einem indischen
Krankenhaus zu hospitieren. Es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, um sich je nach
medizinischen Vorlieben, weiter zu bilden. Die ausführlichste Fortbildung findet meiner Meinung nach
noch immer im Ayurvedic Institute von Dr. Lad in Albuquerque (New Mexico) statt, dort wird eine
komplette dreijährige Ausbildung angeboten. Der Unterricht wird in täglichen Unterrichtseinheiten
abgehalten.

7. Reichen aus Ihrer Sicht die Diagnosemöglichkeiten des Ayurveda aus? Oder sollten Ihrer Ansicht nach weitere naturheilkundliche und/oder  schulmedizinische Diagnosemethoden hinzugezogen werden?


Sehr oft diagnostiziere ich ayurvedisch, stelle die Störung fest und bestätige sie durch
schulmedizinische Methoden. Es macht mir sogar Spaß festzustellen, dass wir mit einfachen
Untersuchungsmethoden zum gleichen Ergebnis kommen.

 

 

Translate