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Themenspecial

Themenspecial "Ayurveda-Ernährung"

17.05.2015 | Eine der zentralen Themen des Ayurveda ist die Ernährung. Aufgrund des wachsenden Bewusstseins über die Bedeutung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ist die ayurvedische Ernährungslehre für viele Menschen der Einstieg in das ayurvedische Wissen.

 

Im Ayurveda gilt als wesentliches Grundprinzip der Heilung, dass durch Änderung der Ernährung und der Lebensweise wieder Gleichgewicht im Körper hergestellt werden kann. Die Ernährung entspricht einem natürlichen Heilmittel und nimmt im Ayurveda daher einen besonders hohen Stellenwert ein und wird sowohl als vorbeugende als auch als heilende Therapie eingesetzt.

Ernährung nach ayurvedischen Gesichtspunkten im Vergleich zur westlichen Ernährungslehre

Im Ayurveda hat die subjektive Erfahrung, das subjektive Empfinden eines Jeden mehr Bedeutung als die objektiven Inhaltsstoffe der Nahrung. Das bedeutet, dass Lebensmittel nicht in ihre Grundbausteine Fette, Eiweiße , Kohlenhydrate, Vitamine & Mineralstoffe zerlegt werden. Auch Kalorien werden nicht gezählt. Die Nahrung im Ayurveda muss individuell verträglich sein und den unterschiedlichen Bedürfnissen des Menschen, seinem Alter und Beruf, sowie seiner körperlichen und geistigen Verfassung angemessen sein. Gesunde Ernährung ist somit für jeden Menschen etwas ganz Persönliches.
Die ayurvedische Ernährungslehre besteht nicht aus strengen Regeln und Verboten, sondern appelliert an die Fähigkeit jedes Menschen, die individuellen Bedürfnisse des Körpers zu erkennen.

Die Grundlagen

Um die eigenen Bedürfnisse bezüglich des Essens zu verstehen und zu erkennen, ist es hilfreich, die eigene Konstitution zu kennen. Grundlage für dieses Verständnis ist das Wissen um die drei Prinzipien Vata, Pitta und Kapha Jeder Mensch hat ein ihm eigenes, individuelles Verhältnis dieser verschiedenen sogenannten „Doshas“. Es gibt Tabellen, anhand derer Sie die unterschiedlichen Dominanzen ermitteln können (einen tabellarischen Test können Sie direkt hier in dem persönlichen Dosha-Check machen.) Besser ist allerdings eine Konstitutionsbestimmung durch einen erfahrenden Ayurveda-Arzt oder Therapeuten. Den Doshas können bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden – bspw. hat Vata die Eigenschaften leicht, trocken, kalt, rau etc. Jede Nahrung, die wir zu uns nehmen, nimmt Einfluss auf diese Eigenschaften. Die Gelehrten des Ayurveda haben die unterschiedlichen Wirkungen und Eigenschaften jedes einzelnen Nahrungsmittels in verschiedenen Körperbereichen beobachtet: zunächst die Wirkung im Mund (Rasa), dann während der Verdauung (Vipaka) und schließlich nach der Verdauung. Auch die Wirkung auf das psychische Befinden wurde betrachtet. So wurden und können auch noch heute alle Nahrungsmittel entsprechend ihrer Wirkungsweisen auf Körper und Geist eingeteilt werden. Süße Nahrungsmittel zum Beispiel sind kühl, feucht und schwer, haben somit eine ausgleichende/senkende Wirkung auf Vata (trocken, leicht) und auf Pitta (heiß, leicht) und eine verstärkende/erhöhende Wirkung auf Kapha (schwer, kühl, feucht). Wichtig ist hierbei das Wissen um die Vorgehensweise, das Prinzip. Denn so können Sie allem, was Sie essen, Eigenschaften zuordnen und beobachten, wie es je nach eigenem Zustand auf Sie wirkt.

Wir haben verschiedene Spezialisten des Ayurveda genauer nach ihrer persönlichen Meinung befragt:

1. Welche Bedeutung hat die Ernährung im Ayurveda ? Welches Potential hat sie ?
2. Viele Menschen sehen die ayurvedische Ernährung sehr eng verknüpft mit der indischen bzw. singalesischen Küche. Wie ist Ihre Meinung dazu?
3. Welche Bedeutung haben Milch, Sahne und Co. in der ayurvedischen Ernährung?
4. Empfiehlt der Ayurveda eine vegetarische Ernährung ? Wie ist Ihr Standpunkt?
5. Welche einfachen Tipps geben Sie einem Einsteiger in die ayurvedische Ernährung?
6. Wenn Sie das Grundprinzip der ayurvedischen Ernährung in einem Satz formulieren sollten, wie würde der Satz lauten ?              

Dabei haben sich ergänzende, aber durchaus auch unterschiedliche Auffassungen zu bestimmten Aspekten der ayurvedischen Ernährungslehre ergeben.
Es geht uns in diesem Themen-Special darum, aufzuzeigen, dass es ein Spektrum an Auslegungen, Interpretationen und Schwerpunkten gibt. Ayurveda ist kein Dogma.

Wir laden Sie ein, Wohlbekanntes zu lesen, aber auch Neues zu entdecken.

1. Welche Bedeutung hat die Ernährung im Ayurveda? Welches Potential hat sie ?

Der Ernährung kommt im Ayurveda eine zentrale Rolle zu. Sie basiert wie oben beschrieben auf den Prinzipien der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha.
Dazu Kerstin Rosenberg, Mahindra-Institut: „Die richtige Ernährung ist ein Grundpfeiler der ganzheitlichen Ayurveda-Therapie, Heilkunde und Lebensweise.“
Markus Ludwig, Ayurveda Kalari erläutert: „Der Ayurveda beschreibt die Eigenschaften der unterschiedlichsten Nahrungsmittel durch seine elementaren, universellen Prinzipien. Da mit denselben Prinzipien auch der Mensch in seiner Individualität zu verstehen ist, können wir so eine direkte Wirkung der Nahrung auf den einzelnen bzw. einmaligen Menschen erkennen und ggf. angleichen.“
Kerstin Rosenberg: „Auf direkte Weise werden die Doshas, Dhatus, Srotas und Agni beeinflusst, bzw. gebildet. In diesem Sinne ist unser ganzer Körper und dessen Wohlergehen u.a. ein Resultat des täglichen Essens. Ebenso wirkt sich die Ernährung des Einzelnen auf seine Psyche, seine spirituelle Entwicklung und sein persönliches Lebensgefühl aus.“ Neben dem „was“ gibt es noch weitere Aspekte.
Dazu Roland Rau, The Ayurveda-Shop:  „Nicht nur die richtige Zusammensetzung der Nahrungsbestandteile, sondern auch die Art der Zubereitung der Nahrung, wer sie zubereitet, wie viel wir essen, wann wir essen und wie wir essen, sind dabei zu berücksichtigen.“
Markus Ludwig spricht noch einen weiteren Aspekt an: „Noch wichtiger als das detaillierte Verständnis unserer Nahrung ist aber das grundsätzliche Verständnis unserer Verdauung. Die hochwertigste Nahrung kann zum Gift werden, wenn unsere Verdauung bzw. unser Verdauungsfeuer nicht ordentlich arbeitet. Der Ayurveda sagt hierzu z.B.: „Der Esser ist wichtiger als das Essen.“ Noch weiter geht Andreas Schwarz: „Bei gesunder Ernährung kommt es nur zu einem bestimmten Maße auf die richtige Kombination, Tages- und Nachtzeit sowie Zubereitung und Menge an. Ernährung hat, wie wir heute wissen und Charaka damals schon ansatzweise lehrte, eine stark emotional-spirituelle Seite. Und darin liegt auch das zukünftige Potential der ayurvedischen Ernährung. Denn ayurvedische Ernährung kann man zum einen als gesund im herkömmlichen Sinne betrachten oder man betreibt ayurvedische Ernährung als eine Art spirituelle Disziplin und begreift sie als ein Weg zur Selbsterkenntnis."
Nicki Sabnis, Laxmi Foods & Services geht genauer auf das Potential der Ernährung im Ayurveda ein: „Die körperliche Gesundheit und psychische Kraft werden unterstützt und gestärkt, geistige Klarheit und spirituelles Wachstum gefördert. Die ayurvedische Küche schafft Raum im Herzen, in der Seele, sie ist im Dialog mit der Natur.“

2. Viele Menschen sehen die ayurvedische Ernährung sehr eng verknüpft mit der indischen bzw. singalesischen Küche. Wie ist Ihre Meinung dazu ?

Die ayurvedische Küche wird sehr stark mit der indisch/asiatischen Küche assoziiert. Das führt bei vielen Menschen dazu, Ayurveda als rein indisches Phänomen zu begreifen, das in unserem westlichen Kulturkreis bestenfalls als etwas „Exotisches“ einzustufen ist, ohne grundlegende Relevanz.  Das man damit dem ayurvedischen Wissen nicht im mindestens gerecht wird, erläutern unsere Experten.
Margrit Witt-Horchler, Villa Veda Hamburg dazu: „ Ayurveda ist universell anwendbar und die Verfasser der ayurvedischen Kompendien schlagen vor, dass für den Erfolg der Ernährungstherapie eine dem Klima und der Region passende Nahrung nötig ist. Ayurvedisches Essen kann geprägt sein durch unterschiedliche regionale und kulturelle Bedürfnisse, besonders wichtig sind aber die Einhaltung der ayurvedischen Regeln und die Vitalkraft und Frische des Essen.“
Und Dr. Werner, Maharishi Ayurveda Produkte sagt: „Die ayurvedischen Prinzipien lassen sich auch ausserhalb der indischen Küche verwirklichen. Natürlich ist die indische Küche stark von ayurvedischen Prinzipien geprägt.“
Volker Laue: „Ayurvedisch zu kochen ist überall auf der Welt, selbst in Sibirien, möglich, sofern die ayurvedischen Regeln beachtet werden und die innere Bereitschaft dazu vorhanden ist, mit Liebe zu kochen.“
Es geht also nicht darum, die indisch/asiatische Küche hier im Westen zu übernehmen, sondern darum, die universellen ayurvedischen Prinzipien auf unseren Kulturkreis, unsere Vegetation, unser Klima zu übertragen.
Kerstin Rosenberg merkt dazu noch an: „Auf gewisse „typisch indische oder singalesische“ Nahrungsmittel und Gewürze kann eine hochwertige Ayurveda-Küche aber nicht verzichten. So ist z.B. die Mungobohne, die einzige Hülsenfrucht ohne Vata-erhöhende Wirkung und die klassischen Gewürze der Ayurveda-Küche wie Ingwer, Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma oder Hing haben eine einzigartige Wirkung auf den Stoffwechsel (Agni).“
Auf den Punkt bringt es Markus Ludwig: „Die moderne westliche Küche muss den Umgang mit Gewürzen und Kräutern erst wieder lernen oder sich erinnern und kann so zu einer sinnvollen und gesunden Esskultur, im Sinne des Ayurveda, finden.
Bis dahin können wir viel von der indischen und singalesischen Küche lernen, sollten uns aber bewusst bleiben, dass es darum gehen sollte, eine heimische, ayurvedische Esskultur zu gestalten und zu genießen.“

3. Welche Bedeutung haben Milch, Sahne und Co. in der ayurvedischen Ernährung?

Kerstin Rosenberg: „Grundsätzlich liebt die ayurvedische Ernährung die Milch und sie wird als sattvisches Nahrungsmittel, als Rasayana (Verjüngungsmittel) und als aufbauende Heilkost eingesetzt.“
Allerdings gibt es für den Verzehr von Milch klare Empfehlungen:
Sibylle Michaela Balkow, Ayurvea Institut Ojas: „Grundsätzlich sollte Milch immer allein und niemals mit Fisch, Fleisch, Eiern, Saurem, Salzigem, Bananen, Melonen und Joghurt eingenommen werden. Ausnahmen hiervon sind medizinische Anwendungen mit entsprechenden Kräutern.“
Auch wenn man alle diese Empfehlungen berücksichtigt, ist die Milch dennoch nicht für alle Menschen gleich gut:
Dazu Frank Lotz, Franks Veda Shop: „Wir unterscheiden im Ayurveda die verschiedenen Menschentypen nach ihren spezifischen „Doshanaturen“ und es gibt deshalb nie eine Empfehlung, die für alle 3 Grund- und die 4 Mischtypen zutreffend sind, außer, dass die Nahrung immer sattwischer Natur (frische, biologische und nährende Qualitäten) sein sollte.“
Dr. Karin Gramminger: „Die ayurvedische Ernährung geht auf die Konstitution und auf die Kondition eines Menschen ein. Bei einer Kapha-Erhöhung werden weder Ghee in größeren Mengen, noch Vollmilch oder Sahne empfohlen. Für Pitta – Menschen mit ihrem guten Agni werden die Milchprodukte empfohlen, bei Vata- Menschen empfehlen wir Gewürzmilch, die hilft den Körper zu nähren und auch die Verdauung zu fördern.“
Und Sibylle Michaela Balkow ergänzt: „Käse sollte lt. Ayurveda genau wie Eier eher selten gegessen werden, da beides schwer verdaulich ist und die "Srotas" blockiert.
Unter dem Aspekt der „Verdauungskraft“ bewertet Markus Ludwig einige Rezeptempfehlungen aus ayurvedischen Kochbüchern kritisch: „Milch und noch viel mehr die Sahne reduzieren das Verdauungsfeuer. Das Verdauungsfeuer ist aber wesentlich zur Vermeidung von belastenden, nachhaltig störenden Schlacken und Giften. Wer zu seinem Essen Milch oder Sahne gibt, kocht sicher nicht nach ayurvedischen Prinzipien, sondern diesen entgegen gesetzt."

4. Empfiehlt der Ayurveda eine vegetarische Ernährung? Wie ist Ihr Standpunkt?

Die Frage, ob der Ayurveda eine vegetarische Ernährung empfiehlt, wird von den Fachleuten durchaus sehr kontrovers diskutiert. Wir haben auch hier einige Standpunkte zusammengetragen. Machen Sie sich selbst ein Bild.
Dr. Jeevan, Ayurveda-Care: "Ayurveda empfiehlt nicht ausschließlich eine vegetarische Ernährung, sondern unter bestimmten Umständen auch eine nicht-vegetarische. Es gibt verschiedene Ausführungen zu Fleisch-Diäten bei Vata-Störungen.“
Andreas Schwarz: „Definitiv Jain! Es gibt nicht den Ayurveda. Jeder hat da seine eigene Meinung und das ist auch richtig so. Es gibt überzeugte "Fleischfresser" und überzeugte "Pflanzenfresser". Im Ayurveda werden ausdrücklich Wachteln, Springböcke und alles mögliche andere Getier empfohlen. Detailliert beschrieben in ihrer Zubereitung in einem Mahl sowie in der Schlachtung, Jagd und Aufzucht.“
Roland Rau ergänzt: „ Ayurvedische Ernährung an sich ist keine vegetarische Ernährung… Ich möchte an dieser Stelle lediglich darauf hinweisen, dass jedem Lebewesen eine ganz spezifische Lebensenergie innewohnt, die in bestimmtem Maß auf uns übergeht und unsere eigene Lebensenergie beeinflusst. Wer um die Qualitäten der Gunas weiß, kann sich leicht vorstellen, welches Tier eher rajasische oder eher tamasische Qualitäten zeigt.“
Auch Markus Ludwig führt an: „Der Ayurveda beschreibt die Eigenschaften des Fleisches verschiedenster Tierarten und somit kann der Mensch selbst entscheiden, ob und welche Tiere er als Nahrung sieht. Als selbstverständlich sollte in diesem Sinne, die Verantwortung dem Tier gegenüber sein, sowie auch die tiefe und unausweichliche Verbundenheit mit ihm. Wenn ich daran teilhabe bzw. es in Kauf nehme, dass meine Ernährung die Folter und Qual anderer Wesen verursacht, so wird dieses auch wieder mein Leben beeinflussen.“
Ähnlich sieht es auch Nicki Sabnis: „Generell gibt es keine Verbote im Ayurveda. Nur Richtlinien! Wichtig ist: wann, warum, für wen und die Dosierung! Im Charaka Samhita sind alle Lebensmittel in 13 Gruppen eingeteilt, eine davon ist MAMSA d.h. Fleisch und Fisch. Die wesentliche Empfehlung des Ayurveda ist frische und vegetarische Ernährung.(…) Die Natur ist ein Organismus, wenn wir Tiere töten, verletzen wir Organe, Teile dieses Organismus, diese verändern ihre Funktionen und das natürliche Gleichgewicht wird zerstört. In der Bibel heißt es: „Ihr seid der Tempel des Lebendigen Gottes.“ Man sollte also diesen Tempel nicht mit unreinen Elementen beschmutzen.“
Frank Lotz, Vertreter der vegetarischen Tradition, spricht in diesem Zusammenhang ein universelles Prinzip an: „Was Du nicht wünschst, das man Dir antut, das füge auch keinem anderen Lebewesen zu…Actio gleich reactio. Das Gesetz des Karma“ und ergänzt: „Der Begriff „Mensch“ nach den Manu-Smritis (Gesetzbuch der Menschheit) bedeutet: „Beschützer und Freund aller Lebewesen“.Kerstin Rosenberg beschreibt Ihre Vorgehensweise folgendermaßen: „Ich selbst rate vielen meiner Patienten davon ab, radikal alle tierischen Eiweiße zu vermeiden. Oftmals sind die Menschen körperlich ausgezehrt und benötigen innere Stabilität, Substanz und Belastungsfähigkeit. Wenn wir viel aufbauende Energie aus unserer Nahrung benötigen, sollten wir entweder täglich Hülsenfrüchte und Nüsse essen oder 1x pro Woche den Speiseplan mit tierischem Eiweiß wie Huhn oder Fisch ergänzen."
Ob vegetarisch oder nicht muss tatsächlich jeder für sich entscheiden. Wichtig erscheint uns – nicht nur in diesem Zusammenhang – ein Kommentar von Dr. Karin Gramminger: „Ich glaube, es ist gut, sich zu keiner Ernährung zu zwingen.“

5. Welche einfachen Tipps geben Sie einem Einsteiger in die ayurvedische Ernährung?

Aufgrund der Philosophie des Ayurveda, der jeden Menschen als einzigartiges Individuum versteht, kann es auch in diesem Punkt keine pauschale Empfehlung geben.
Wir haben unsere Experten gefragt und möchten Ihnen auch hier einige Aspekte vorstellen.

Margrit Witt-Horchler: "Für Einsteiger ist die Umstellung auf ayurvedische Ernährung einfach oder kompliziert, je nachdem wie umsichtig oder wie falsch sie sich bisher ernährt haben. Grundsätzlich kann umso mehr für die Gesundheit bewirkt werden, je besser und umfangreicher der Klient sich mit dem Thema auseinandersetzt.“
Allerdings sollte man sich dabei nicht unter Druck setzen.
Kerstin Rosenberg: „Es ist gut und wichtig, langsam in eine neue Ernährungs- und Lebensweise einzusteigen. Das Wissen um die eigene Konstitution und Stoffwechselfunktionen (Agni) sind die Grundlage, um die richtige Ernährung für den persönlichen Typ zu finden. So sollten Ernährungseinsteiger nicht versuchen, alle Ernährungsregeln des Ayurveda auf einmal umzusetzen, sondern durch eine qualifizierte Beratung eine Auswahl der wesentlichen Empfehlungen für die eigenen Bedürfnisse erhalten.“
Roland Rau: "Einsteiger in die ayurvedische Ernährung sollten ihren Konstitutionstyp kennen, den Einfluss der Geschmacksrichtungen auf die Doshas, die Eigenschaften der Doshas und die wichtigsten Nahrungsmittel für den eigenen Konstitutionstyp. Entweder kopiert man sich eine Liste der in Frage kommenden Zutaten aus einem Buch oder stellt sie selbst zusammen. Dies bildet die Grundlage für den Speiseplan und den Einkaufszettel. Tabellen: für die einen sind sie eine brauchbare Hilfestellung, für andere dann doch eher verwirrend."
Sibylle Michaela Balkow: "Ein Ayurveda-Kochkurs bei einem engagierten Ayurveda Spezialisten ist meistens ein guter Einstieg, dann hat man einen groben Überblick in Theorie, aber vor allen Dingen in der Praxis.“
Auch Nicki Sabnis hält die praktische Anwendung der ayurvedischen Küche für den besten Einstieg: „EINFACH KOCHEN !! Gelassenheit setzt Sicherheit und Vertrauen voraus. Für das Kochen heißt dies: ausprobieren, nicht gleich Perfektion erwarten und vielleicht mehrmals das gleiche Rezept wiederholen. Geben Sie sich Zeit, die vielerlei Zutaten und Gewürze der ayurvedischen Küche kennen zu lernen. Bald werden Sie ein Gespür dafür entwickeln, und das Kochen geht Ihnen immer leichter und schneller von der Hand.“
Dass ayurvedische Ernährung natürlich mehr bedeutet, als sich mit Ernährungslisten zu beschäftigen, erläutert Markus Ludwig: „Machen Sie sich mehr Gedanken über die Herkunft der Nahrungsmittel, als darüber, dass ein Blumenkohl luftiger ist als eine Aubergine. Nutzen Sie immer mehr heimische und natürlich gewachsene Nahrungsmittel. Pflegen und hüten sie ihr Verdauungsfeuer, wie ihren größten Schatz. Wer diese Punkte beachtet hat schon sehr viel im Sinne des Ayurveda für sich und seine Umwelt getan, ohne irgendwelche Gemüselisten auswendig zu lernen oder aufwendige indische Gerichte zu kochen.“
Die Bedeutung von einer guten Verdauung ist auch für Ingrid Ringeling, Ayurveda-Yoga-Center Freiburg ein wesentlicher Faktor für den Einsteiger in die ayurvedische Ernährung: „Heißes Wasser trinken und sich vor allem mit den Gewürzen und Kräutern beschäftigen, da beides zusammen das Agni stabilisiert.“
Dr. Jeevan empfiehlt: „Frisch und warm essen, keine aufgewärmten Speisen. Hören Sie auf Ihre geistige Intelligenz und Körper-Intelligenz. Diese wird Sie anleiten, das zu sich zu nehmen, was gut für Sie ist.“
Diesen Aspekt unterstreicht auch Andreas Schwarz: „Schau genau hin, lerne dich kennen, iss alles, alles, was du finden kannst und spüre, wie es auf dich wirkt. Achte auf den Geschmack im Mund nachdem du gegessen hast und nachdem du verdaut hast. Und dann lerne und sammle Erfahrungen. Auf dem Weg zu deiner Ernährung wird dir viel Wunderbares passieren und allerlei offenbart."

6. Wenn Sie das Grundprinzip der ayurvedischen Ernährung in einem Satz formulieren sollten, wie würde der Satz lauten?

Wir haben unsere Experten gebeten, diesen Satz zu formulieren. Lesen Sie hier einige der Antworten.

Roland Rau: „Iß nur das, was Dir zuträglich ist, zur rechten Zeit, in der rechten Menge, auf die rechte Art und Weise und halte Dein Verdauungsfeuer bei guter Flamme“.

Frank Lotz: „Gesundes, leichtes und bekömmlichen Kochen und Essen mit und in Freude!"

Hartmut Föller: „Iß wenig ! entsprechend der alten Regel 2/3 der Ernährung sind für uns,1/3 für unseren Arzt, denn fast alle Krankheiten in unserer Gesellschaft sind durch Überernährung verursacht.“

Dr. Werner: „Qualitativ hochstehende Speisen (am besten biologisch) so zubereiten und einnehmen, dass der Körper sie optimal aufnehmen kann, und Einseitigkeit vermeiden."

Kerstin Rosenberg: „Dein Appetit ist der wichtigste Indikator für Deine Gesundheit. Lerne die Signale Deines Körpers richtig zu verstehen, dann sind Deine täglichen Mahlzeiten die beste Medizin."

Volker Laue: „Nahrungsmittel zu „LEBENS – MITTEL“ machen, die Körper, Geist und Seele gleichermaßen nähren.“

Sibylle Michaela Balkow: „Jeder sollte das essen, was er auch verdauen und verwerten kann.“

Dr. Jeevan: „Die Berücksichtigung aller sechs Geschmacksrichtungen hält die Doshas in Balance. Nithyam Sarva Rasa Abhyasa“

Markus Ludwig: „Die Zusammenstellung, Zubereitung und Aufnahme der Nahrung im Sinne des Ayurveda, sollten unser Verdauungsfeuer nicht reduzieren, den Organismus so wenig wie möglich belasten, die Bestandteile unseres Körpers und unseres Geistes nähren und pflegen, sowie in verantwortungsvoller und dankbarer Weise mit unserer Umwelt in Wechselbeziehung stehen.“

Nicki Sabnis: „Beachten Sie die entsprechende Konstitution und.... KOCHEN SIE MIT LIEBE. Wenn Sie eine Mahlzeit zubereiten sei es für sich allein, für die Familie oder für Freunde, widmen Sie sich ganz diesem Tun, denn dann wird das Kochen  zu einer meditativen Handlung. Ihre innere Haltung wird im Essen spürbar und schmeckbar sein.“


Ayurvedische Ernährung – eine Lebenseinstellung

Ayurveda ist universelles Wissen. Es ist überall auf der Welt, in jedem Kulturkreis anwendbar und muss auf die regionalen Besonderheiten übertragen werden. Das Verständnis der drei Doshas ist Grundlage für die individuelle Anwendung der ayurvedischen Ernährungsempfehlungen. Dabei geht es allerdings nicht darum, sich allein anhand von Tabellen zu orientieren. Die Möglichkeit einer fehlerhaften Selbsteinschätzung liegt auf der Hand. Dazu sollte man sich in die Hände eines erfahrenen Ayurveda-Spezialisten begeben. Außerdem sind Tabellen sehr schematisch und insofern ganz und gar nicht im Sinne des Ayurveda.

Als Wissenschaft vom Leben fordert der Ayurveda uns dazu auf, ein liebevolles Gespür für das eigene, individuelle Empfinden zu entwickeln, auf seine körperlichen, geistigen und seelischen Bedürfnisse zu achten. Danach sollte unsere Ernährung ausgerichtet sein. Die ayurvedische Ernährung ist somit ein Weg zu mehr Selbsterkenntnis und enthält damit auch eine sehr spirituelle Komponente. Drei Aspekte, die wesentliche Bestandteile der ayurvedischen Ernährung sind und die wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten wollen: Liebe, Zeit und Spaß

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Anhang

Hier finden Sie die kompletten Fragebögen unserer Ayurveda-Spezialisten. Viel Spaß bei der Lektüre.



Ayurveda Kalender

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