Ayurvedakur in Indien – ein Erlebnisbericht
Ich glaube, dass jeder, der im Bereich Ayurveda arbeitet, andere verwöhnt und behandelt, irgendwann den Wunsch verspürt, sich auch so etwas zu gönnen. Jedenfalls war dies bei uns – meinem Mann und mir – der Fall. Wir hatten schon länger keinen richtigen Urlaub gemacht und von den vielen Massagen und Behandlungen taten der Rücken und die Gelenke weh. Was lag näher, als eine Ayurvedakur, da doch all unsere Gäste so schwärmten von den schönen Massagen, dem guten Essen und der intensiven Erholung. Wir dachten: Wenn schon Ayurveda, dann im Ursprungsland – also auf nach Südindien.
Am Flughafen wurden wir abgeholt und in der Morgendämmerung in unser Ressort gebracht. Es lag wie eine Oase am Rande der Insel. Überall Palmen, blühende Bäume und Sträucher. Direkt gegenüber von dem wunderschönen Swimmingpool hielt unser Fahrer, brachte das Gepäck in unser Zimmer und verschwand mit den Worten: Wenn Sie Tee haben wollen, rufen Sie die Telefonnummer 112 an.
Erschöpft wie wir waren, reagierten wir gar nicht weiter. Außerdem sprechen wir nicht gut englisch; und das „indien-englisch“ ist noch etwas problematischer.
Nachdem wir ausgepackt und etwas regeneriert hatten, wurde ich unruhig, da wir am ersten Tag die Konsultation beim Arzt und eine Behandlung haben sollten.
Auf dem Schreibtisch gab es keine Information und draußen war auch niemand zu sehen.
Wir suchten die Rezeption und wurden dann von einem Mitarbeiter zum Haupthaus geführt in dem sich das Restaurant, die Behandlungsräume und der Yogaraum befanden. Nach einem kleinen Imbiss erfolgte die Konsultation beim Arzt. Am ersten Tag bekam jeder von uns eine Ölmassage zum Entspannen verordnet, danach sollten wir ausruhen und spazieren gehen. Das Kurprogramm startete am nächsten Tag.
Um 15 Uhr wurde jeder von uns von 2 Therapeuten abgeholt, mein Mann von 2 Herren, ich von 2 Damen. „Das ist ein toller Einstieg – gleich zu Beginn eine Synchronmassage“ dachte ich. Ich war gespannt und beobachtete ganz genau: Den harten Holzmassagetisch und die einfachen, steril wirkenden Behandlungsräume kannte ich schon von Sri Lanka.
Meine Enttäuschung war groß, als ich merkte, dass sich die Mädchen unterhielten und nicht synchron massierten. Ich tröstete mich damit, dass das Kurprogramm ja erst am nächsten Tag begann. Leider erfüllten sich meine Hoffnungen nicht. Alle Massagen und Behandlungen wurden von 2 Therapeuten durchgeführt – leider nicht synchron und immer unterhielten sich die Therapeuten. Nachdem wir uns beschwert hatten, flüsterten sie nur noch, trotzdem fehlte die Konzentration auf die Massage, das Einfühlen auf den Patienten. Überhaupt vermissten wir die Ruhe und Stille während der Behandlungen: Metalleimer wurden über den Boden gezogen, Türen zugeschlagen, laut gerufen oder vor dem Fenster des Behandlungsraumes laut diskutiert. Selbst beim Stirnguss konnte ich durch die Geräusche nicht entspannen.
Schade – wo doch unsere Kunden immer schwärmen, dass sie ganz entschweben und sich wie auf Wolke 7 fühlen.
Überhaupt wird bei uns während der Massage kein Wort geredet damit der „Patient“ entspannen und auch spüren kann, wo seine Probleme sitzen.
Wir haben verlernt, in uns hinein zu hören, uns zu spüren oder auf den eigenen Körper zu hören. Körper, Geist und Seele sollen in Einklang gebracht werden – so war es uns damals bei der Ausbildung gesagt worden.
Ich fragte mich, ob wir eine „verwestlichte“ Form von Ayurveda gelernt hatten, da ich schon aus „Fachkreisen“ vernommen habe, dass in Sri Lanka kein original Ayurveda mehr angeboten wird, dass es den Bedürfnissen von uns Europäern angepasst wäre.
Was ist nun richtig ?
Jedenfalls fand ich die lauten Geräusche und die Unterhaltung der Therapeuten störend, selbst unter dem Aspekt, dass Indien nicht Deutschland ist.
Es bringt nichts, sich täglich über etwas zu ärgern, das nicht von heute auf morgen geändert werden kann. Ich weiß, dass die Öle, Kräuter und Medikamente 2/3 der Heilwirkung ausmachen – für die Seele suchten wir Entspannung in der Natur und genossen das schöne, warme Wetter.
Unser Arzt war Spitze ! Er reagierte auf jedes Unwohlsein oder Wehwehchen mit passenden Kräutern oder Behandlungen, hatte für alles ein offenes Ohr. Von ihm habe ich wieder einiges dazu gelernt.
Unsere Empfehlung: Wenn Sie eine Panchakarma-Kur in Indien planen, informieren Sie sich ganz genau. Fragen Sie jemanden, der schon einmal dort war und überlegen Sie für sich, ob der medizinische Aspekt im Vordergrund steht oder Ruhe und Entspannung in Kombination mit Ayurveda.
Wir haben einige Leute kennen gelernt, die in anderen Kureinrichtungen oder Kliniken das Gleiche erlebt hatten.
Wie überall zeigen die Prospekte nur das Schönste: komfortable Zimmer sind für unsere Gewohnheit spartanisch oder ganz einfach eingerichtet, Swimmingpool und Meer sind bei einer Ayurvedakur tabu, genauso wie der Aufenthalt in der Sonne, anstrengende Spaziergänge, Shopping usw.
All das sollten Sie bedenken und wenn Sie sich noch nie näher mit Ayurveda auseinandergesetzt haben, ist es ratsam, „Ayurveda Schnuppertage“ in Deutschland zu erleben, um zu testen, ob Ihnen so etwas zusagt und um ein gewisses Maß an Hintergrundwissen zu haben.
Auch in Deutschland gibt es gute ayurvedische Einrichtungen oder Behandlungen, Therapeuten, denen Ayurveda am Herzen liegt, die nicht nur auf einer „Modewelle“ mitschwimmen.
Erkundigen Sie sich ruhig am Telefon ganz genau über die Ausbildung, bevor Sie einen Termin buchen.
Ich möchte jeden ermutigen, sich mit Ayurveda zu beschäftigen. Es ist faszinierend und bereichert Ihr Leben, Sie beginnen Verantwortung für Ihr Leben zu übernehmen !
Autor: Ursula Reiser
Das Ehepaar Reiser bietet seit 5 Jahren in ihrer kleinen, familiären Schönheitsfarm "Beauty-Oase" in Bad Schönborn Wellness-Ayurveda an. Ausgebildet wurden sie auf Sri Lanka.



