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Patient und Therapeut  - Hilfe zur Selbsthilfe im Ayurveda

Patient und Therapeut - Hilfe zur Selbsthilfe im Ayurveda

28.10.2017 | Sollte ein Patient etwas über Ayurveda wissen? Die Antwort ist aus Sicht des Heilpraktikers Uli Senger auf jeden Fall: „Ja, als ‚mündiger‘ Patient sollte er das“, muss es aber nicht unbedingt.

 

Aufbruch und Ankunft

Von 1978 bis 1981, von Baden-Württemberg nach Afrika, durch die Sahara bis in den Kameruner Urwald und zurück nach Berlin, war ich auf der Suche nach…? Vermutlich mir selbst. So begann ich mit Autogenem Training, besuchte allerlei Gruppen, ging zu diversen Veranstaltungen, las viele Bücher, experimentierte mit Yoga, Kontemplation und Meditation. Aber trotz einer nützlichen Anreicherung von Wissen und Erfahrung blieb eine wirkliche Zufriedenheit bei mir aus.

Letztlich schickte mich jemand an ein „Vedisches Institut“, weil er meinte, dass das meinen „Leidensweg“ verkürzen könnte. In dieser Bildungsstätte schlug ich im Herbst 1981 auf und stieß dort (nach meinem damaligen Empfinden) auf exotische bis gewöhnungsbedürftige Menschen.

Diese Leute machten mich mit den Veden bekannt. Dem Rigveda, Samaveda, Ghandarvaveda, Sthapatyaveda etc.; 1982 dann auch näher mit dem Ayurveda. Bis dahin hatte ich schon viel Theoretisches über Meditation gelernt und eine für mich passende Form gefunden und begonnen diese zu praktizieren. Ich war angekommen.

Anfänge des Ayurveda im Westen

Neben technischen und logischen Dingen war es immer der Mensch, der mich fasziniert hat. Mit den Veden und dem Ayurveda hatte ich etwas gefunden, was den Menschen nicht nur körperlich-medizinisch, sondern auch seelisch und geistig beschrieb und dazu noch ganz selbstverständlich in einen Kontext mit dem gesamten Universum auf all diesen Ebenen stellte. Das übte auf mich eine unwiderstehliche Anziehung aus.

Ohne damals je über eine therapeutische Laufbahn nachgedacht oder überhaupt die Behandlung von anderen Menschen in Erwägung gezogen zu haben, ließ ich keine Gelegenheit aus, mich „auf der ganzen Welt“ zum Thema Ayurveda fortzubilden. Es gab im Westen damals nur sehr wenige Leute, die etwas über Ayurveda wussten. Etwa 10 Jahre später rollte in Europa die Wellnesswelle an. Ab da wurde Ayurveda mit Ölmassagen gleichgesetzt. Und erst in den letzten 10 bis 15 Jahren wurde Ayurveda nach und nach als brauchbares medizinisches System in der westlichen Welt entdeckt. Plötzlich gibt es unzählige Praxen und Institute für Ayurveda, mit vielen Ayurveda-Experten mit teils guter und teils dürftiger Ausbildung.

Der aufgeklärte Patient

Sollte ein Patient etwas über Ayurveda wissen? Die Antwort ist aus meiner Sicht auf jeden Fall: „Ja, als ‚mündiger‘ Patient sollte er das“, muss es aber nicht unbedingt. Einfacher ist es auf jeden Fall, wenn sich der Klient schon mit Alternativmedizin oder Ayurveda befasst hat. Aber wozu? Man kann doch Dienstleistungen in Anspruch nehmen ohne etwas darüber zu wissen. Man holt doch einen Handwerker, weil man selbst zum Beispiel nichts von Gas, Elektrik oder Sanitär versteht, bringt sein Auto in die Werkstatt, weil es dort Experten gibt, die das Auto professionell und ohne Sicherheitsrisiko reparieren.

Ein gewisses Können und Wissen taugt nicht nur, um sich ein Stück unabhängiger zu machen, sondern auch dem Handwerker und der Werkstatt mehr auf Augenhöhe begegnen und nicht zuletzt um Positionen auf der Rechnung besser einschätzen zu können.

Maharishi Mahesh Yogi, der Begründer des sogenannten „Maharishi Ayurveda“, legte schon in den 80er-Jahren großen Wert darauf, nicht nur Ärzte, Heilpraktiker oder Therapeuten ayurvedisch auszubilden, sondern wollte, dass es in jeder Familie eine Person gibt, die bestimmte ayurvedische Kenntnisse besitzt sowie die Grundlagen der Pulsdiagnose beherrscht. Möglichst jeder Erwachsene sollte sich in einem gewissen Rahmen mit Ayurveda auskennen, um sich selbst, seinen Partner oder seine Familie gesund erhalten zu können.

Der Schlüssel zur Gesundheit ist nämlich die Vorsorge und damit die Lebensweise. Es macht sehr viel Sinn Erkrankungen vorzubeugen, vor allem schweren chronischen oder akuten und potentiell tödlichen Erkrankungen. Das kann jedoch ein Therapeut für seine Patienten ohne deren Mithilfe und Basiswissen kaum leisten. Die Erfahrung in meiner Praxis zeigt, dass Patientenwissen und -können der Gesunderhaltung sehr viel nützen. Außerdem können wir uns beidseitig mehr auf Augenhöhe begegnen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Was sollte ein Patient über sich und Ayurveda wissen? An erster Stelle steht sicherlich die Tridosha-Lehre, das Grundverständnis über Vata, Pitta und Kapha, deren Zusammenspiel, Gegenspiel und Koexistenz in einer unzertrennlichen Einheit. Auch nach 35 Jahren Ayurveda erkenne ich immer wieder neue Facetten dieser Dreiheit, die gleichzeitig eine Einheit bildet.

Das Verstehen der Dhatus (Gewebe) und Agnis (Metabolismus/Stoffwechsel) liefert ein Modell für die Stoffwechselvorgänge im Organismus, was auf welcher Stufe in welcher Reihenfolge in was umgewandelt wird. Fast alle Erkrankungen, vor allem des „modernen“ Menschen, haben ihre Ursache in unzureichenden Stoffwechselvorgängen.

In der Schulmedizin vertieft man sich hierzu oft in biochemische Einzel-Prozesse und verliert dabei gern den Gesamtvorgang und das zu erwartende bzw. erwünschte Endergebnis aus den Augen.

Man muss im Ayurveda nichts von Biochemie verstehen, um einen kräftigen funktionstüchtigen Stoffwechsel zu bekommen und aufrecht zu erhalten. Das ist der Schlüssel für eine hervorragende Abwehr, optimale Verwertung von Nahrung, Vermeidung von Schlacken und Einlagerung von Giftstoffen in Körpergeweben. Es gibt uns auch seelisches Wohlbefinden und Glücksgefühle sowie einen leistungsfähigen kristallklaren Geist. Dies ist keine Schwärmerei. Ayurveda macht das erfahrbar.

Ein Basiswissen über ayurvedische Heilkräuter, Ernährung im Sinne des eigenen persönlichen Dosha-Profils und der individuellen Dosha-Konstitution sowie ein paar grundsätzliche ayurvedische Therapieansätze, runden das Ganze ab. Die ayurvedische Pulsdiagnose erlaubt uns stets einen aktuellen Status unseres körperlichen, seelischen und geistigen Zustands zu bekommen. Daher ist das „Ayurvedische Pulsfühlen“ ein wichtiges Werkzeug zur Früherkennung von Ungleichgewichten im System, um Potential für Erkrankungen früh neutralisieren zu können.

Der Patient sollte nur Anfangs zum Ayurveda-Therapeut (Arzt, Heilpraktiker, …) kommen, um ein bestimmtes Maß an Gesundheit (individueller Dosha-Balance etc.) zu erlangen. Aber auf dem Weg dahin sollte ihn der Ayurveda-Therapeut lehren, was für seine Genesung und anschließende Gesunderhaltung wichtig ist. Der Patient erhält mehr und mehr Eigenverantwortung und Unabhängigkeit für seine Gesundheit. Er kommt eventuell auch später noch zum Therapeuten, aber hauptsächlich um weiter zu lernen und um Krankheiten noch besser vorbeugen zu können.

Autor

Das oben beschriebene Wissen und Können kann im Basis-Seminar bei Uli Senger erlernt werden; am Wochenende 1.-3. Dezember 2017 in Bonn. Frühbucherrabatt! Alle Informationen - inkl. Flyer und Infoblatt als Download - finden Sie auf der Homepage von AyurMedi.



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